Freitag, 19. Juli 2013

Jeeptyk - Ein kirgisisches Finale

Nachdem wir recht früh am Nachmittag an der tadschikischen Botschaft unsere Pässe abholen konnten, mussten wir wieder quer durch die Stadt. Wir wollten den Weg nach Osh per Transport abkürzen, da die Hauptstrasse doch recht befahren ist. Eine mögliche Option dafür waren die Busniks, eine Art Gepäck- und Passagiertransport, welche vom grössten Basar in Bishkek, dem Dordoibasar abfuhren. Auf dem Weg dorthin kamen wir wieder an unserer Lieblingszapfstelle vorbei, einer der einzigen Kwasverkäuferinnen in Bishkek. Vor einigen Jahren wurde Kwas noch deutlich häufiger auf der Strasse verkauft, mittlerweile hatten wir nur noch eine Stelle mit einer Verkäuferin ausgemacht. Die anderen Verkäuferinnen, die Getränke aus Fässern abfüllten verkauften eher Tan oder ein kirgisisches Getreidegetränk. Zum Dordoibasar, bzw. zur Abfahrtsstelle der Busniks mussten wir uns zunächst durchfragen, doch vorort wurden wir dann schnell einem Fahrzeug zugewiesen. Der grosse Vorteil dieses Transportes für uns war, dass wir die Räder unkompliziert in den Gepäckraum geben konnten. Die Fahrer hatten entsprechend weniger Möglichkeit zu wuchern. Uner Fahrer stieg mit 3000 Som ein, wir konnten ihn auf 1800 Som ohne zu grosses Gefeilsche festlegen. Dafür hatten wir fast den modernsten Kleintransporter erwischt, einen Mercedes-Benz-Kleinlastwagen von 1995. Der Rest der Flotte sah zum Teil deutlich maroder aus. Dafür waren dort teils richtige Liegeflächen angeordnet. Wir mussten uns mit der Fahrerkabine begnügen. Mit Abfahrt wurde jedoch zugewartet, in der Hoffnung noch mehr Ware laden zu können. Andere Fahrzeuge wurden bis aufs letzte Quäntchen des Gepäckraumes ausgenutzt, bei unserem Fahrzeug hatte der Fahrer ein Einsehen, bzw. wollte auch mal wieder nach Hause. So fuhren wir noch bei Helligkeit ab und obwohl der Kleintransporter zu den schwersten Fahrzeugen hier gehörte, überholte er einige Sprinter. So konnten wir den ersten Pass noch fast im Hellen fahren, erst nachdem wir den Tunnel durchquerten wurde es dämmerig. Der Tunnel am Chon Ashu-Pass ist allerdings recht gruselig, zwar mit Einbahnstrassenverkehrsregelung, dennoch kommen manchmal Fahrzeuge entgegen und die Abgase stehen regelrecht im Tunnel, was klar ist, da LKW an LKW steht. Unser Transporter hat zwei Fahrer, die sich in der Nacht abwechseln und so gelangen wir am frühen Morgen ins Ferganatal. Das Ziel der Transporter liegt leicht ausserhalb von Osh, so dass wir uns kurz vor Osh aus dem Wagen werfen lassen. In der Morgenluft radelt es sich trotz Schlafdefizit angenehm und so gelangen wir ins laute und schon wärmere Osh. Dort wird noch eingekauft für die letzte Kirgistanetappe.

Busnik
Richtung Chon Ashu-Pass
Tunell am Chon Ashu-Pass
Früher Morgen vor Osh
Wir wollen über den Jeeptyk-Pass, einen Parallelpass zum Tengisbai-Pass, der uns von allen kirigisischen Pässen am besten gefallen hat. Zufällig waren wir darauf gestossen, dass dort eine Trasse hinüber gehen sollte und ein kurzer Check in Bishkek über google earth ergab eine wohl durchgehende Trasse. Zudem schien diese Trasse deutlich weiter hinein zu führen, als die Tengisbaitrasse, zumindest was den fahrbaren Teil anbelangte, denn es hatte noch grosse Ortschaften weit hinten im Tal. Schon auf der Fahrt nach Osh vor einem Monat war uns ein Schild aufgefallen, welches auf ein Bed and Breakfast hinwies, welches 80 km weiter taleinwärts sein sollte. Auch die Russenkarte versprach noch Wald bis in 3200 m Höhe unmittelbar an der Strasse, so dass das Terrain wohl nicht so geröllig wie am Tengisbai sein sollte. Zudem war ein Photo von Sergey Illyukin im google earth zu sehen. Dieser ist uns ein alter Bekannter, zumindest machen wir oft Routen, für die Photos von ihm in google earth sind. Das sind also perfekte Voraussetzungen für den Pass. Nach den Einkäufen essen wir am Ortsausgang von Osh noch zu Mittag. Danach geht es in der Mittagshitze noch einige Kilometer zum nächsten Schattenbaum, leider setzt davor schon der Baustellenteil der grossen Teerstrasse ein, welche wir auf der Herfahrt schon einmal genommen hatten. Im Schatten lässt sich noch etwas Schlaf nachholen. Keine 2 Kilometer später sind wir am Abzweig. Was wir nicht bedacht hatten, war die Hügeligkeit des Geländes hinter Osh. Wir sollten noch einen Pass bis auf 1600 m Höhe fahren, um danach zum eigentlichen Flusstal hinabzufahren, in dem sich ein grösserer Stausee befindet. Zumindest war die Strecke bis dorthin asphaltiert. Die Nachmittagshitze machte es nicht leichter aber bei Dina merkte man die in Bishkek vorgenommene Gewichtsreduktion, auch wenn das Fahren ohne Lowrider nun ungewohnt war. Als wir am See angekommen waren und von einem Brunnen Wasser nahmen, hatten wir das erste Mal eine etwas komische Begegnung in Kirgistan. Unter einem Baum lag ein Mann, der uns heranrief. Das kurze Gespräch ergab, dass er 100 Dollar Strafzahlung haben wollte, den Grund konnte er nicht spezifizieren und wir fragten auch nicht weiter nach, sondern ignorierten ihn, da wir seine Drohung, dass sonst jemand schiessen würde nicht ernst nahmen. Am See entlang ging es weiter Richtung Berge, da nun immer wieder ein Hof am Wegesrand stand, mussten wir etwas für einen Schlafplatz suchen. Etwas oberhalb der Strasse war dieser noch gefunden. Aber natürlich kam am Abend noch ein Hirte auf seinem Esel vorbei. Da wir müde waren, schlugen wir seine Einladung zu seinem Zelt zu kommen aus, auch wenn uns das Leid tat. Er zeigte uns noch, wo in der Nähe Wassermelonen im Gras verborgen lagerten.

Blumental

Der Stausee Oberhalb Osh
Pferdeherde vor dem Fluss Ak-Buura und der Ortschaft Boru
Grün und Lila macht sich gut
Am nächsten Morgen fiel das Aufstehen wieder schwer, doch waren wir schon gespannt auf den Weg zum Pass. Da wir nicht damit rechnen konnten, dass wir vor Freitag an der Grenze sein würden, hatten wir sowieso Zeit, die Chinesen schliessen ihre Grenze über das Wochenende. Somit rechneten wir damit, dass wir erst am Freitag über den Pass gehen würden. In den folgenden Orten kaufen wir noch einmal ein, in einem grossen Kaufhaus findet Christian noch eine Kirgisenmütze für Michi, die hatten wir auf den Basaren von Bishkek glatt vergessen zu kaufen. Zudem kaufen wir zum ersten Mal selbst eine Flasche Kymus, die uns allerdings etwas überteuert scheint.
Nach so viel Ortschaft geht es nun endlich ins Gebirge, wie beim Tengisbai ist das Tal hier sehr eng. Allerdings fanden wir die Schlucht vom Tengisbai deutlich eindrucksvoller. Dafür ist die Piste hier deutlich besser fahrbar, was auch an der häufigeren Benutzung der Strasse liegt, es fahren hier noch einige LKW hinein. Nur an wenigen Stellen im Tal, wo es sich aufweitet, befinden sich noch kleine Ortschaften, deren Läden haben jedoch nur ein überschaubares Sortiment, teils nur die Süssstoff-Birnenlimo und Suppengewürz. Mittag verbringen wir im Schatten eines Baumes, Christian muss noch sein Schaltwerk reparieren, eines der Schaltwerkrollen blockiert. Die Ursache ist ein völlig zerbröseltes Lager, so dass eine neue Roulette eingebaut werden muss. Von diesen hatten wir zum Glück zwei mitgenommen, unterwegs sind diese in keinem Radgeschäft einzeln zu bekommen. Andere Radfahrer tauschen stattdessen gleich das ganze Schaltwerk.
Der Nachmittag wird nun noch anstrengend, während die Piste bislang relativ moderat anstieg, führt diese nun teils in Kehren zum hintersten Ort Kyzyl Talas, bzw. zu einer ganzen Ansammlung von Orten. Davor kommen uns noch ein paar LKW entgegen, nun wird klar, warum hier noch einiges an Verkehr unterwegs ist, sie haben alle Kohle geladen, es muss oben eine Kohlemine geben. Im Ort finden wir in einem Container noch einen letzten Laden mit guter Auswahl, sogar Eis hat es. Kurze Zeit später kommen uns zwei Touristen zu Fuss entgegen. Es ist ein polnisches Pärchen, welches Dina beim Herauffahren schon aufgefallen war, als sie uns in einem Lada Niva überholten. Sie haben eine Tour zum Pik Lenin gebucht, d.h. sie werden zu Fuss von hier nach Sary Mogul gehen und dann noch ein Stück ins Basislager. Sie sind noch am Anfang einer längeren Reise und auch von den kasachischen Visaproblemen betroffen. Dafür machen sie Werbung für Usbekistan, zwar hatten sie von 4 auf 2 Wochen reduziert, die Hauptsehenswürdigkeiten waren jedoch sehr eindrucksvoll, nur die gewählte Reihenfolge sollte wohl besser von Ost nach West gehen, um eine Steigerung zu beinhalten.
Auf der Fahrt nach oben hatten wir schon den Eindruck, dass der Jeeptykpass ein recht bekannter Pass sei, der auch gut machbar ist. Zumindest hatte keiner der Leute, mit denen wir uns unterhielten die Hände verworfen, mal hörten wir, dass es noch Schnee drinnen gäbe, aber das war's. Anscheinend kommen hier auch öfters Touristen durch, da die Tour zum Lenin Basecamp beliebt ist. So wird man oft gefragt, ob man zum Lenin unterwegs sei. Die Polen erzählten uns zudem, dass sie am Folgetag in einem Yurtcamp übernachten könnten, in Kyzyl Talas, bzw. Kojokelen hat es zudem ein Homestay, in dem sie allerdings die zweiten Gäste in dem Jahr waren.
Eigentlich wollen wir nun bald das Zelt aufstellen, doch der Ort, bzw. die Ortschaften ziehen sich sehr in die Länge und nachdem kein Haus mehr zu sehen ist, wird das Tal wieder eng. Schliesslich finden wir einen Platz direkt am laut rauschenden Bach unter einem Baum. So sind wir vor Tau geschützt und an das Rauschen gewöhnen wir uns auch. Nur ein Fahrzeug kommt am Abend noch vorbei, die Piste ist nun weniger ausgefahren.

Vor Papan
Entlang des Ak-Buura
Die Strasse entlang des Ak-Buura ist gut zu fahren
Die Berge sind unterschiedlich bewachsen
Das Linke ist ziemlich abgenutzt
Von Bäumen gesäumt der Ak-Buura
Die Strasse ist gut ausgebaut
Es geht hoch Richtung Kyzyl Tala
Netter Fleck - Kyzyl Tala
Dorfladen in Kyzyl Tala
Die Häuser von Kyzyl Tala sind über die Ebene verstreut
Kurz hinter Kyzyl Tala

Dafür geht es am anderen Tag schon eher zur Sache, die Strasse muss der Talsteigung folgen, welche uns dafür auch schneller in die Höhe führt. Im Vergleich zum Tengisbai ist es hier deutlich grüner, das Gras steht im Saft und unterwegs sieht man immer wieder Kartoffelfelder, welche ohne Zusammenhang zu einem Hof angelegt wurden. Die Kartoffeln scheinen hier gut zu wachsen. Jurten kommen erst deutlich weiter hinten im Tal, davor steht das Gras hoch und wird wohl für den Winter geschnitten. Die Piste ist immer noch gut fahrbar, bis zur letzten Jurte auf 3100 m, dann geht es noch leidlich bis ca. 3200 m, hier fehlen nun allerdings Fahrzeugspuren und die ersten Steinstücke beginnen. Hier machen wir Mittag. Als wir fertig sind kommt auch schon das polnische Pärchen vorbei, ihr Guide ist ziemlich am Schleppen, da er ihren grossen Rucksack auch noch schultert und Andrej nur den kleinen Rucksack der Freundin schleppen muss. Kaum an uns vorbei, müssen sie wieder warten, da Andrej sein Messer in der Jurte vergessen hat, in der sie Mittag assen. Wir rechnen damit, dass sie uns bald wieder überholen, da wir nun viel mehr schieben müssen, ansonsten würden wir sie aber wohl im Jurtcamp sehen.
Die Piste hat nun wohl schon länger kein Fahrzeug mehr gesehen, an vielen Stellen liegen Steine im Weg und viele Viehherden werden wohl nicht über den Pass getrieben. Sonst wäre der Weg teils noch besser ausgetreten. In den flacheren Stücken kann man aber doch noch ein bisschen fahren, bis wir zur Querung des Baches kommen. Hier ist die Trasse kurz ganz verschwunden und wir mühen uns durch grobes Blockwerk. Nach einer Kehre wird es aber wieder besser, die Piste wird nun deutlich flacher geführt, was zu Extrakilometern führt und uns teils an der Orientierung zweifeln lässt. Wir sind nun schon auf der prognostizierten Höhe des Yurtcamps, doch von diesem ist nichts zu sehen. Die einzigen Lebewesen hier sind Yaks, die noch deutlich weiter oben die Hänge abgrasen. Wie wir aus dem Altai wissen, brauche diese jedoch keine direkte Aufsicht, so dass wohl auch keine Hirten zugegen sind. Das Gelände hat sich nun geändert, wir befinden uns im Bereich aktiver Blockgletscher und von Solifluktion, d.h. das Gelände bewegt sich und die Strasse mit ihm. Dafür ist die Strassenoberfläche noch erstaunlich gut, hier könnte im Vorjahr noch ein Auto unterwegs gewesen sein, wenn nicht die totalen Streckenunterbrüche vorher am Bach und an steilen Blockhängen wären. Ohne Jurte suchen wir uns nun einen Übernachtungsplatz, Wasser ist hier noch eine kleine Sorge, da es in den Blockhalden schnell versickert. Dafür sickert es auch an unerwarteten Stellen wieder hervor, so dass wir doch Wasseranschluss an unserem Zeltplatz haben. Dieser befindet sich einfach auf der alten Trasse, Verkehr erwarten wir ja nicht. Gerade als wir das Lager aufschlagen, gewahren wir auch endlich unseren Pass. Zunächst hatten wir es nicht für möglich gehalten, dass die Piste so kühn über einen steilen Schneehang geführt wird, doch eine Felsrampe scheint diese Wegführung möglich zu machen. Morgen wird sich die genaue Führung schon auflösen. Auf jeden Fall scheint uns ein unangenehm steiler Schneehang bevorzustehen, den wir queren müssen. Mit dem Fernglas können wir noch Spurenreste darin ausmachen, d.h. es ist dieses Jahr schon jemand durch gegangen. Etwas Sorgen machen wir uns um unsere Polen, die eigentlich längst hätten auftauchen müssen und von denen wir auch weiter unten nichts sehen. Dina vermutet (richtig, wie sich herausstellt), dass sie doch tiefer geblieben sind, um sich besser zu akklimatisieren. Unser Nachtlager befindet sich hingegen auf 3680 m, so dass wir am nächsten Tag nur noch 500 Höhenmeter vor uns haben sollen. Diese sehen mühsam aus, insofern, als der Weg wohl zum Teil abgerutscht, bzw. überfahren ist. Die Blockgletscher hier sorgen dafür, dass ganze Kieshaufen langsam vorankommen und die alte Trasse verschütten.

Ein schön grünes Tal - entlang des Aschintik-Suu
Weisser Esel
Kartoffelfeld auf über 2000 m
Jurte
Zu diesen Bergen müssen wir
Polnisches Paar mit ihrem Guide - Gehen den selben Weg wie wir, ist sicher zu Fuss auch schön
Hinten im Tal wird die Strasse merklich schlechter
Wir wundern uns wie es wohl über diese Berge geht
Der Fluss ist klein geworden
Immer wieder ist deutlich eine Trasse vorhanden
Der ehemalige Fluss lässt sich nun gut Furten
Die erste Stufe ist erreicht, und der Weg wieder ganz passabel zum Fahren
Alpwiese mit Blick Richtung Dschiptik-Pass
Unser Zeltplatz am Strassenrand für diese Nacht
Das Wetter bleibt zum Glück am nächsten Tag stabil, noch mehr Schnee wäre nicht gut. Wir vermuten, dass hier der Schnee, der uns das Leben noch schwer machen soll, zum Grossteil Neuschnee des letzten Monats ist. Doch zunächst geht es noch aper weiter in einer grossen Kehre auf 3800 m. Hier setzt nun ein mühsames Wegstück ein, die Piste ist verschwunden und Wegspuren führen teils über eine steile Erdböschung, ehe wir wieder auf die Piste gelangen. Diese ist hier S-Förmig, d.h. es geht hinunter und wieder hinauf. Das ist bedingt durch die Fliessgeschwindigkeitsunterschiede innerhalb des Blockgletschers, an einigen Stellen verschiebt er sich kaum. Nun führt die Piste leicht bergab auf eine in den Fels gehauene Passage zu, welche den Durchschlupf in den oberen Talkessel ermöglicht. Hier verläuft die Trasse wieder offener, ist aber sehr steil. So gelangen wir problemlos, aber etwas mühsam auf 3900 m. Man gewahrt von hier noch andere Pistenreste. Während wir die am flachsten verlaufende Piste gewählt haben gibt es hier immer wieder Abkürzungsvarianten, die in Abschnitten erstaunlich gut erhalten aussehen. Langsam müssen wir uns hier nun mit dem Schnee anfreunden, doch da es auch wieder verschiedene Varianten hat, können wir dem ersten Schneestück ausweichen. Bis auf 4000 m kommen wir nun so weiterhin auf gut schiebbarer Trasse. Nun fängt der Schlussanstieg an und damit der befürchtete steilere Schneehang. Wieviel Trasse darunter noch erhalten ist, kann man nur erahnen, hier im steilen Schotterfeld ist sie schon stark zugeschüttet worden. Wir müssen nun Rad und Gepäck einzeln transportieren. Das übernimmt Christian, der zum Glück einigermassen guten Trittfirn vorfindet. Man muss die Schuhe dennoch gut einschlagen, um den Halt nicht zu verlieren. Mit Rucksack geht es sich am angenehmsten, doch das Rad ist mühsam zu schieben, bzw. zu tragen. So wird auf einem ersten Absatz verschnauft, um den zweiten Teil anzugehen. Schliesslich ist dieser auch geschafft. Das war der anstrengendste Teil des Passes. Die Fussspuren einer kleinen Herde, die wohl vor einigen Tagen hier durchgezogen ist, waren leider keine grosse Hilfe. Nun geht es noch die Steinrampe in Kehren hinauf. Hier transportieren wir teils ebenfalls Rad und Rucksack getrennt. Am Rad haben wir immer noch in den Packtaschen einen Teil des Gepäcks. Kurz bevor wir am Pass sind, sehen wir unerwartet noch unsere Polen auftauchen, sie sind also doch nicht umgekehrt und befinden sich nun im Schneestück. Ihr Führer hat wieder schwer zu schleppen. Im Pass dann der Lohn für die Mühen, Pik Lenin zeigt sich in seiner ganzen Pracht, man muss etwas aufschauen um den Gipfel zu gewahren, ein stolzer Riese in weiss. Unten im Tal erkennen wir drei Gestalten, wir denken schon, dass da noch ein paar Bergsteiger kommen, doch es ist die Ablösung für den Führer der Polen. Sie übernehmen die Touristen hier, der schwer schleppende Führer darf wieder in sein Tal absteigen. Christian ist ganz stolz, dass er letzterem noch etwas Kymus anbieten kann, normal läuft das hier ja immer anders herum.

Glacialgeprägte Landschaft
Mit Gepäck ist stossen mit Rucksack an oft weniger anstrengend
Die Strasse ist deutlich zu sehen
Hier ist für die Strasse abgerutscht
Dina was spazierst du in den Steinen?
Zum Glück nur kurz das erste blockige Teilstück
An Fahren ist hier nicht zu denken
Man kann hinten im Schnee die Strassenführung vermuten
Zwischenzeitlich ist der Weg wieder gut 
In der zweitletzten Fläche vor dem Dschiptik-Pass
Der Schnee beginnt
Das Rad für ein kurzes Stück definitiv das falsche Gerät
Unsere Velos machen Pause
Schneestrasse
Es sind alte Spuren von Pferden und Schafen zu sehen
Die Schneefelder sind steiler als es aussieht
Es ist zum glück noch kühl und der Schnee gefrohren, somit keine Gefahr für neue Rutsche
Christian schieb sein Velo durch den Schnee am Dschiptik
Hier hoch müssen noch die Räder und das restliche Gepäck
Nur nicht abrutschen!

Geschafft - Blick zurück
Nur noch etwa 100 Höhenmeter hochschieben
Jetzt ist der Dschiptik Pass schon fast erreicht
Unsere Velos geniessen die Aussicht Richtung Alai Tal
Ganz schwach in den Wolken sieht man sogar den Pik Lenin

Der Blick hinab zeigt aber auch, dass die Trasse auf der Südseite nicht besser ist, im Gegenteil, die ersten 200 Höhenmeter verlaufen in steilen Schutthängen, so dass die Trasse auch hier recht schmal geworden ist. Für uns bedeutet das zunächst schieben, das mühsamer ist als auf der Nordseite, da mehr Steine im Weg liegen. Man hält es angesichts der Steilheit der Trasse hier kaum für möglich, dass hier auch einmal Fahrzeuge drüber sind, wahrscheinlich war der Pass aber einfach auch für Pferde und Esel wichtig. Beim Herunterschieben kürzen wir teils über steile Schotterhänge ab, dann kommt endlich ein etwas grasigerer Teil, wo wir wieder etwas im Sattel sitzen können. Immer wieder unterbrechen steinigere Stücke die langsame Fahrt nach unten, wir sind langsamer als die Fussgänger. Dadurch wissen wir aber wenigstens, welche der Pisten wir einschlagen sollen, es hat immer wieder tot endende alte Wegtrassen. Schliesslich gelangen wir über steile Hänge abkürzend in den Talgrund. Am Schluss kann man wieder gut auf der alten Trasse fahren, die hier flach in Kehren nach unten führt. Das Tal wird nach vorne durch eine Schlucht abgeschlossen, vor der wir kurz Pause machen. Ein einsamer Hund leistet uns Gesellschaft, wir wundern uns, dass hier noch keine Jurten sind. Die Schlucht wird problemlos auf der alten Trasse durchschritten, es ist hier so wunderschön, dass wir am Ende der Schlucht auf der Trasse unser Zelt aufschlagen. Weiter vorne im Tal sehen wir schon Kühe grasen, so dass wir uns hier hinten im Tal noch unsere Ruhe erhoffen. Doch kaum steht das Zelt, rollt schon ein Auto heran, es ist der VW Golf eines Fischers. Bis zu unserem Zeltplatz ist die Piste noch befahrbar und es sind Spuren zu sehen, ab der Schlucht ist sie hingegen für Motorfahrzeuge unpassierbar. Der Fischer kommt etwas später mit seiner Ausbeute, zwei kleinen Forellen zurück. Wobei hier nicht unbedingt der Ertrag das Relevante ist, sondern die wunderschöne Gegend und das klare Wasser des Baches.
Am Abend gibt es eine besonders grosse Portion Nudeln, wir sind froh, dass wir unseren letzten Pass in Kirgistan nun auch gut gemeistert haben.

Vorerst ist Schieben angesagt
Zuviele Steine liegen auf dem Weg
Wir kürzen gerade runter ab
Beim ersten Grün kann auch schon das erste Teilstück gefahren werden
Diese Abkürzung war etwas zu steil
Schon fast wieder eine Strasse
Dank den Herden gibt es einen freigetretenen Pfad zum Fahren
Das Tal wird immer schöner
Für die Strasse wurde früher ziemlich was abgegraben


Kurz vor der Schlucht
Suchbild (wo ist der Hund), die Besitzerfamilie lernten wir später kennen
Das Tal verengt sich
Abentliches Fussbad im Dschiptik-Suu
Die Felsen sind leicht rötlich
Es geht schon durch
Yes - Zeltplatz gefunden
Nicht rumliegen, Zeltaufstellen aber davai!


Montag, 15. Juli 2013

Paketversand mit der Kirgisischen Post

Wir haben noch ganz vergessen unsere Erfahrungen mit der kirgisischen Post Kund zu tun. In Bishkek wollten wir ja ein bisschen Gewicht reduzieren, nachdem das Boot weg war, sollte auch das Paddel, Moskitonetz, die Vorderradtaschen von Dina und der Vorderradgepäckträger Heim, insgesamt gut 4 kg. DHL war uns deutlich zu teuer und so versuchten wir es mit der kirgisischen Post, bzw. mit EMS. Wenn man in das zentral an der Sovietskaya gelegene massive Gebäude mit der Aufschrift "Potschtamt" geht, findet man dort auch den Schalter für internationalen Paketversand. Dieser erfolgt mit EMS, einem Unternehmen, das wir schon aus China kannten, da unsere Ersatzteile damit kamen. Nachdem uns der Preis zugesagt hatte, besorgte Christian am Basar noch einen Karton, bei einer Fischverkäuferin wurde er fündig und zurück bei der Herberge stellte sich heraus, dass sogar das Paddel hineinpasst. So ging Christian dann am Samstag zur Post, die einen geschlossenen Eindruck machte, so wenig war dort los. Der Paketschalter musste extra aufgesperrt werden. Zunächst mussten nun alle Gegenstände offengelegt werden, so dass die Dame von der Post sie kategorisieren konnte und alle Gegenstände einer Kategorie gewogen wurden. Nun muss der Kunde eine englische Bezeichnung dafür hinschreiben und diese sowie das jeweilige Gewicht auf drei Zettel schreiben, auf die auch noch Absender und Empfänger drauf kamen. Der etwas dürftige Karton wurde nun noch mit Klebeband verstärkt und nachdem alle Gegenstände drinnen waren musste noch Füllmaterial hinein, bis der Rütteltest der Dame zufriedenstellend verlief. Nun verliess die Dame den Raum und es passierte zunächst nichts, bis auf dass eine andere Dame in den Raum kam um die Nähmaschine zu benutzen, welche eigenartiger Weise dort herumstand. Erst nach einiger Zeit wurde klar, dass das Produkt für das Paket bestimmt war, die zusätzliche Stoffumhüllung wurde im Anschluss noch mit Siegellack bekleistert. Nun konnte endlich noch die Adresse auf den Stoff geschrieben werden, es brauchte jedoch zwei Anläufe bis die Damen zufrieden waren. Nun war das Paket fertig zum wiegen und nach fast einer Stunde konnte dann auch bezahlt werden. Statt Luftpost wurde der langsamere aber etwas billigere Transport per Land ausgewählt, die Versandzeit wurde mit 1.5 Monaten angegeben. Mit der Quittung bekam man sogar eine Trackingnummer, mit welcher auf der Seite der kirgisischen Post tatsächlich noch am selben Tag der Verlauf nachvollzogen werden konnte.
Da es ja noch etwas dauern würde, bis das Paket ankommen würde, gaben wir erst etwas später Bescheid, dass etwas unterwegs ist. Wir waren allerdings sehr erstaunt, dass wir schon in Sary Mogul, wo wir im Homestay des CBT übernachteten die Nachricht bekamen, dass das Paket angekommen sei. Das konnte ja nicht unser Paket sein, doch ein Check mit der Trackingnummer ergab, dass das am Samstag aufgegebene Paket schon am Dienstag in Zürich angekommen war und ein paar Tage später zugestellt wurde. Ob DHL wohl schneller gewesen wäre?

Vom Schnee an den Strand - Auf nach Bishkek zum Visa besorgen

Der Wind hat am anderen Tag nur ein wenig nachgelassen, allerdings verlassen wir jetzt die Hauptwindrichtung gegen Norden und dürfen auch wieder etwas ansteigen. Verkehr hat es auf dieser Nebenpiste kaum, nur zwei drei Jeeps kommen uns entgegen. Dafür rollt es sich ganz gut auf ihr und wir kommen relativ zügig zu einem See, bei dem uns ein Regenschauer überrascht. Schon in der Früh und der Nacht hat es immer mal wieder Regen gegeben. Zum Glück ist dieser genauso schnell vorbei, wie er gekommen ist. Dennoch ist es deutlich kühler geworden. So mühen wir uns die letzten Kilometer zur vermeintlichen Hauptpiste von Kara Sai nach Barskoon. Nachdem wir erfolgreich nach Karakolka gekommen sind, müssen wir uns an der Weggabelung entscheiden wohin wir weiter sollen. Ursprünglich hatten wir angedacht noch die Verbindung hinüber nach Inylchek zu versuchen, welche ja in vielen Karten fälschlicher Weise eingezeichnet ist. Sie existiert schon seit vielen Jahren nicht mehr, auf Satellitenbildern kann man jedoch die Wegreste rekonstruieren und sich einen Weg durchdenken. Da dieser jedoch sehr mühsam erscheint ist Dina dagegen ihn jetzt noch in Angriff zu nehmen. So bleibt uns vor allem der Weg nach draussen, wobei wir noch eine kleine Variante ins Auge fassen wollen. Kurz vor dem Barskoonpass, welcher zum Issyk Kul hinunter führt, geht eine kleine Piste nach Westen ab, die über den Arabelpass führt. Diese würden wir noch gerne versuchen. Als wir an die Wegkreuzung gelangen, suchen wir erst einmal einen Windschutz zum Mittag essen, zu stark ist der Wind und neuer Regen droht. Zum Glück hat es wieder einige Gebäude hier, davon sind zwei bewohnt. Das eine dürfte die Strassenmeisterei sein, von der uns der andere Strassenmeister erzählt hatte, sie hat die Aufgabe den hohen Suek-Pass offen zu halten. Wir haben hinter einer kleinen Blockhütte davon Schutz gesucht. Obwohl Leute zugegen sind, interessieren sie sich erst einmal nicht für uns. Irgendwann schaut doch einer vorbei und der Rest folgt. Nach einem kleinen Austausch verschwinden sie wieder ins Haus, zu ungemütlich ist es draussen, denn es hat Regen eingesetzt. So verschanzen wir uns weiter hinter dem Blockhaus, bis der Regen nachlässt und wir uns wieder aufmachen.

Zwischenzeitlicher Sonnenschein
Geometrische Berge
Es wird immer grauer
Kurz vor dem Regen
Wir stehen vor Regen und Wind unter
Die Piste ist nicht unbedingt besser, dafür leicht befahrener. Aus der Strassenmeisterei, welche gerade frisch gebaut wird, folgt uns noch ein Junge, welcher Kühe ins Tal hinter treibt. An seinem Ende nimmt die Steigung deutlich zu und der Junge verlässt uns wieder. Nachdem das erste Steilstück genommen ist, droht schon wieder Regen. Wir suchen gerade noch einen Zeltplatz beim letzten Grün und sind im Aufbau begriffen, als es losschüttet. Gut dass wir schon mit dem Zeltaufbau angefangen hatten, so können wir uns nur halbnass in Deckung bringen. Nachdem schon später Nachmittag ist, wollen wir hier auch die Nacht bleiben. Der Regen wandelt sich in Schnee und mit dem Wind sammelt unser Zelt natürlich wieder einiges an weisser Pracht. Zum Glück hört es auch wieder auf und wir können kochen. Am Schluss bleiben nur die Schneebälle übrig, welche wir beim Befreien des Zeltes angefertigt haben. Das Wetter gestern war schon zweifelhaft und heute hat es wohl endgültig umgeschlagen. Zwar ziehen die Schauer schnell durch, doch im jeweiligen Moment sind sie sehr unangenehm. Wir grübeln schon ob des Arabel-Passes, da wir die Information haben, dass die Piste dort maximal auf Naturboden verläuft und dieser nicht zu viel Regen verträgt. Doch erst einmal hoffen wir, dass das Wetter sich beruhigt und am Folgetag wieder strahlend blauer Himmel sich zeigen wird.
Leider ist die Hoffnung vergebens, auch am nächsten Tag ziehen wieder einige Wolkenfelder durch. Diese verschonen uns jedoch, so dass wir trocken auf den Suek-Pass radeln können. Die Abfahrt im scharfen Wind ist kalt und so verstecken wir uns nahe an der Verzweigung zur Goldmine hinter einem Container. Hier ist die Strasse deutlich besser ausgebaut, die nahe gelegene Kumtor-Goldmine ist eine der grössten Goldminen der Welt. Allerdings scheint sie nicht unumstritten zu sein, wie kleine Unruhen am Südufer des Issyk Kuls in diesem Jahr zeigen. Hinter den Containern können wir auch den nächsten Schauer abwarten. Es ziehen immer wieder dunkle Wolkenfelder herbei und sorgen so für eine bedrohliche Stimmung in der sowieso schon kargen Landschaft. Als dann schon wieder ein grosses Schlechtwettergebiet heranzieht, reicht es uns und wir entscheiden uns gegen den Arabel und für eine schnelle Abfahrt zum Issyk Kul, wo wir auf wärmeres Klima hoffen.

Velo leicht verzuckert
Auf  der Strasse Richtung dem Suek Pass
Kurz vor dem Suek Pass
Die Strasse ist noch nass
Auf dem Suek Pass liegt weniger schnee als befürchtet
Auf dem Suek Pass
Abfahrt Richtung Strasse von der Goldmine
Das Wetter zieht immer mehr zu
Mit schnellem Radeln versuchen wir der Schlechtwetterfront in das Tal des Passes zu entkommen, das gelingt uns schliesslich doch, auch wenn schon Sturm und Regen wieder einsetzten. Die Hochebene hier ist an sich wunderschön und so legen wir in einer Regenpause noch eine kurze Rast ein. Danach setzt die schier endlose Abfahrt ein, von 3700 m auf ca. 2000 m, der Issyk Kul ist für seine Grösse ein sehr hoch gelegener See. Unterwegs kommen uns immer wieder Konvois der Goldmine entgegen, am Anfang ein Begleitfahrzeug und im Anschluss bis zu 10 LKW mit Containern oder Tanklastwagen. Da scheint ein ordentlicher Verbrauch bei der Mine zu sein. Die Strasse wird wohl sehr häufig neu geschoben, zumindest kam uns schon davor ein Grader entgegen und die vielen schweren LKW schaden der Trasse sichtlich. Vom Pass geht es in vielen Kehren ziemlich steil ein Furcht einflössendes Tal hinunter, extrem schroff ist die Landschaft hier und Gletscher hängen in den Wänden. Vor Lawinen wird hier allenthalben gewarnt, wir nehmen an, dass das sich vor allem auf den Winter und das Frühjahr bezieht. Die Abfahrt will kaum enden und wir sind froh als wir ein Ende der Kehren sehen. Nun wird es wieder grüner und der erste Hirte begegnet uns. Nun erblickt man im Talgrund auch zum ersten Mal wieder Gebäude, ein recht grosser Komplex steht hier unbenutzt herum. Daneben stehen ein paar Container, welche sich als Kontrollposten herausstellen. Kurz vor diesem stellt Christian fest, dass der Hinterreifen keine Luft mehr hat. Diese ist rapide entwichen, so dass wohl ein grösseres Loch vorliegt. Christian hatte wohlweisslich vor der Abfahrt zum Karakolfluss am grossen Übernachtungsfelsen beide Mäntel getauscht, da der neue Marathon Mondial einen eher mässigen Flankenschutz zu haben schien und daher besser als Vorderreifen eingesetzt wird. Nun hat der Marathon XR ein Loch in der Flanke und der Schlauch damit ebenfalls. So kurz vor dem Kontrollposten erweckt der Stop natürlich Misstrauen und so kommen die Polizisten noch vorbei. Der Reifen ist schnell geflickt und so geben wir noch unsere Daten bei der Miliz ab.

See auf der Ebene vor dem Barskaun Pass
Die Strasse ist nun breit
Blick ins Tal
Wegen der Mine ist reger LKW-Verkehr
Leider sehen wir nicht das ganze Panorama
Die Strasse ist trotz des regen LKW Verkehrs gut

Sobal die Waldgrenze erreicht ist wird es idyllischer
Die LKWs kennen nur ein Ziel, die Mine
Melken der Pferde
Nur wenig weiter geht es, dann winkt uns jemand bei den nächsten Häusern herbei. Da Regen droht, steigen wir gerne ab und folgen der Einladung zum Tee. Anscheinend sind sie gerade mit dem Mittagstisch fertig, so ist schnell wieder aufgetischt und wir bekommen noch einen Lagman serviert. Mittlerweile hat der Regen eingesetzt und wir sind froh in der einfachen Stube untergekommen zu sein. Hier ist wohl die Sommerküche, davor steht das richtig gemauerte Haus. Es ist eigentlich ein Guesthouse, wie wir erfahren. Früher war es hingegen ein Ladengeschäft hier hinten im Tal. Stolz wird uns das Gästebuch gezeigt, in dem viele deutsche und schweizer Touristen sich eingetragen haben. Insbesondere ein deutscher Filmer und Motorradfahrer hat es ihm angetan. Dieser hat auf einer seiner Touren auch die Familie hier besucht und in einem Kapitel seines Bildbandes verewigt. Ebenfalls interessant finden wir das Buch des Filmers, über eine Tibettour. Noch während es regnet sind die Hausherren draussen am Melken der Pferde. Wir verfolgen das ebenfalls gespannt. Damit die Pferde ruhig sind, wird ihnen ein Bein hochgebunden, d.h. sie sind am Knie vollständig gebeugt. Ein kleiner Eimer Milch kommt trotz des kleinen Euters heraus. Der Nachmittag vergeht, doch der Regen bleibt. Eigentlich hatten wir damit gerechnet, dass es immer wieder Unterbrüche geben würde, wie auf dem Hochplateau. Aber der Regen wird immer nur noch stärker. Von den Gastgebern erfahren wir, dass auch die nächsten drei Tage verregnet sein sollen. So ist für uns klar, dass wir möglichst schnell nach Bishkek wollen. Oben am Barskoonpass hatte es an den Gipfeln zudem deutlich mehr Schnee als am Suek, es hat wohl zum Issyk Kul mehr Niederschlag gegeben.
Obwohl es nicht ganz aufhört zu regnen, entschliessen wir uns loszufahren. Zunächst zahlen wir jedoch noch etwas für Tee und Essen. Zwar wurden wir herangewunken und rechneten mit einer Einladung, doch als wir erfuhren, dass hier ein Guesthouse ist, war klar, dass die Leute Geld sehen wollen. Der Aufbruch war wohl ein Fehler, denn keinen Kilometer später ist Christians Reifen schon wieder fast platt. Nun wird der Schlauch gewechselt. Die spätere Prüfung ergab mal wieder ein zweites Loch ganz in der Nähe des Ersten. Im nun wieder stärkeren Regen muss gewerkelt werden, zum Glück finden wir eine breite Tanne als Unterstand. Als wir fertig sind, regnet es noch stärker und wird immer kälter, schon setzen die ersten Schneeflocken ein. Da nun schon später Nachmittag ist, müssen wir uns entscheiden, ob wir doch hier übernachten oder uns nach unten durchbeissen. Wir entscheiden uns für Letzteres und mühen uns die nun stark durchweichte Piste hinunter, der Gegenwind ist kalt, die Nässe trägt ihr Übriges dazu bei. Wir sind froh, als nach wenigen Kilometern einer der leeren Minen-LKW hält und uns anbietet nach unten mitzunehmen. Es sind wohl noch knapp 25 km, doch bei dem Wetter machen diese keinen Spass. Die Räder werden auf die Ladefläche gehievt und wir können uns in der Fahrerkabine wärmen und trocknen. Kurz vor Tamga werden wir wieder herausgelassen. Der Regen ist in den Bergen zurückgeblieben, hier hängen nur noch die Wolken. Etwas enttäuscht sind wir, dass wir die 25 km nicht hinaus gefahren sind, aus dem warmen Fahrerhäusschen hat das Tal einen ausgesprochen idyllischen Eindruck gemacht.
Nun suchen wir aber erst einmal eine Unterkunft für die Nacht. Dazu geht es zunächst an den See. Tamga war wohl früher ein bedeutender Kurort für Soldaten, entsprechend hat es noch echt sowjetischen Charme hier. Wir kommen in einem ehemaligen Soldatencamp unter. Hier hat es wie in Kasernen Mannschaftsräume, welche zu den einfacheren Unterkünften umgebaut sind. Wir wählen die Luxklasse, das sind neu erstellte kleine Hüttchen mit eigener Dusche und sogar Strom (im Unterschied zur Basisklasse). Dafür ist es erstaunlicher Weise unsere bisher teuerste Unterkunft, Christian war bei den 1300 Som von dem Preis für beide ausgegangen. Dafür sind darin noch drei Mahlzeiten in der Sowjetkantine enthalten. Wir stressen noch schnell zum Abendessen, für uns ist noch ein bisschen länger geöffnet. Das Essen ist zwar einfach, aber sehr gut. Das Gelände ist überall noch mit den alten sozialistischen Motiven und Sprüchen verziert, das müsste eigentlich ein prima Reiseziel für Sowjetromantiker sein. Die meisten Gäste scheinen hingegen Kasachen zu sein, welche das nötige Kleingeld für die Übernachtung haben.

Sonne über dem Issyk Kul
Issyk Kul
Die Anlage hat sogar Blumenbeete, die gepflegt werden
Die Bungalows sind in Pastelltönen gehalten
Unser Haus
Die Anlage hat wirklich einen gewissen Charm
In Tamga haben wir auch endlich wieder Mobilfunkanbindung. So kommt Michis Nachricht an, dass wir über den Kulmapass fahren könnten. Das trifft sich prima, nachdem wir Pakistan wegen des Anschlags ja leider ausgeschlossen haben. So könnten wir einen Teil des Karakorumhighways fahren und eine bisher unbekannte Variante im Pamir ausprobieren. Zudem sehen wir, dass der kurz vor Aufbruch in die Grenzregion beauftragte LOI für Usbekistan in die Wege geleitet ist. So kommt für uns nun als nächstes die Visabesorgung auf den Plan. Da wir etwas früher als gedacht am Issyk Kul sind, müssen wir uns erst einmal sortieren. Klar ist, dass wir am nächsten Tag (Montag) nach Bishkek wollen, um dann am Folgetag bei den Botschaften anzutanzen. Da wir mindestens 4 Visa brauchen muss da der optimale Weg gefunden werden. Durch die Reiseplanänderung sind nun leider auch die ganzen Visa zu besorgen, um die wir gerne herum gekommen wären, an sich war nur Indien in Bishkek geplant. Doch zunächst geniessen wir noch die einmalige Abendstimmung am Issyk Kul, mit den abziehenden Schlechtwetterwolken verstärkt sich das Licht ungemein. Schade, dass wir morgen schon wieder gehen müssen.
Am nächsten Tag in der Früh werden gleich einmal die Aserbaidschanis abgecheckt, Bishkek soll eine gute Botschaft für deren Visum sein. Leider ist der Botschafter gerade zwei Wochen in Urlaub, so dass wir erst nach Ablauf dieser Frist das Visum beantragen könnten, gibt uns die englisch sprechende Dame am Telefon zu verstehen. Hoffentlich läuft das bei den anderen Botschaften nicht ähnlich. Für Aserbaidschan schwenken wir daher auf das kürzlich eingeführte E-Visum um, für das wir die Unterlagen in Bishkek noch parat machen müssen. Nach dem Frühstück müssen wir die Dame von der Rezeption enttäuschen, dass wir nicht noch das tolle Mittagessen abwarten können, sonst würden wir wohl zu spät in Bishkek sein, um für den nächsten Tag parat zu sein. Sie kann uns zwar nicht sagen, wann ein Transport Richtung Bishkek geht, aber da wären zahlreiche Marshrutkas. Unten an der Haltestelle meint ein Herr, dass wohl erst am Abend wieder ein Autobus ginge, in den unsere Räder hineinpassen würden. So stehen wir eine halbe Stunde an der Haltestelle und schauen auf den See hinaus, bzw. in die Berge, die heute deutlich verschneiter sind. Wahrscheinlich ist es gut, dass wir da oben nicht noch langfahren, die Erdpiste dürfte in schlechtem Zustand gewesen sein. Endlich hält ein nicht voller Ford Transit, der auf dem Weg nach Balykchy ist. Die Räder können einfach im Fahrraum mitgenommen werden, für 500 Som willigen wir gerne ein. Der Fahrer heizt hier allerdings gnadenlos auf der nicht mehr ganz frischen Piste. Und so ist es kein Wunder, dass er sich einen Plattfuss einfährt. Der Ersatzreifen lässt schlimmeres Befürchten, Profil =0, hoffentlich fährt der Fahrer nun langsamer. Nach anfänglichem besseren Fortsatz, beschleunigen wir wieder auf das Westende des Sees und kommen kurz nach Mittag dort an. Hier stehen nun zahlreiche Kleinbusse nach Bishkek parat und auch Touristen sind hier wieder anzutreffen. Die Räder passen sogar in den Kofferraum eines Kleinbusses, so dass wir zu einem akzeptablen Preis bei nicht akzeptabler Geschwindigkeit und Überholverhalten nach Bishkek kommen.
Dort werden wir gleich bei einer möglichen Herberge herausgelassen.

Ein wenig  wie am Meer
Sogar Sandstrände gibt es
Radwechsel an unserem Minibus
Das Nomad Home war uns im Internet ins Auge gestochen, da man dort auch zelten konnte. Leider hatte sich der Preis dafür von 150 auf 250 Som in einem Jahr ziemlich erhöht, dafür gäbe es eigentlich bessere Unterkünfte vom Preis-Leistungsverhältnis. Da wir aber mit einigen Tagen in Bishkek rechnen, beissen wir in den sauren Apfel und schlagen unser Zelt auf einem der wenigen freien Flecken im Garten auf. Wir sind nun zum ersten Mal seit Luang Prabang in einer echten Touristenabsteige, natürlich stehen schon einige Räder herum und andere Backpacker haben sich hier schon häuslich gemacht. So ist die nächsten Tage ein reger Austausch angesagt, der teilweise bis tief in die Nacht geht. Etwas nachteilig sind die beschränkten Einrichtungen hier, ein WC und eine Dusche sind ja noch halbwegs verkraftbar, doch warum nur 3 Steckdosen verfügbar sind ist nicht verständlich.
Am nächsten Tag machen wir uns zunächst an das kasachische Visum, da dieses normaler Weise drei bis vier Tage braucht. Leider ist die Botschaft an der anderen Seite der Stadt, mit dem Rad 40 Minuten von der Herberge weg. Die Bank in die eingezahlt werden muss ist nicht nah an der Botschaft, doch leider lassen sie uns nicht ohne einen Bon der Botschaft einzahlen, so dass wir für diesen den Weg zwei Mal machen müssen, dabei wussten wir die Einzahlungsnummer und den Betrag. Ziemlich genervt hetzt Christian daher durch die Stadt. Zudem will die Botschaft natürlich noch andere Belege, als im Internet in Erfahrungsberichten beschrieben ist. Nachdem alles erledigt ist, kann man sich vor der Botschaft noch mit zahlreichen anderen Radfahrern austauschen, die Botschaft konzentriert die Reisenden, durch Kasachstan müssen halt doch viele reisen.
Mit noch etwas Restzeit, beantragen wir gleich noch mit Passkopie das tadschikische Visum, für die Usbeken warten wir sehnlichst auf den LOI, der vielleicht erst nächste Woche kommt.
Da wir in Bishkek Gepäck reduzieren wollen, sind wir froh, dass wir unseren teuersten Ausrüstungsgegenstand mit Irene mitschicken können, eine Schweizerin, welche nach dem Trekking nun nach Hause fliegt und mit der wir uns einen ganzen Abend austauschen können. Es bleibt aber noch einiges Heim zu schicken und so bringen wir am nächsten Tag die Preise in Erfahrung. DHL will gleich 167 Dollar für 4 kg haben. Zum Glück finden wir noch die krigisische Post/EMS, welche den halben Preis verlangt. Neben DHL findet sich noch der Kartenladen aus dem Lonely Planet. Als Christian 2004 Bergsteigen war, hatte er die gleiche Adresse, ist aber innerhalb des Gebäudekomplexes mittlerweile umgezogen. Eine Dame die wir daraufhin ansprechen, reagiert fast gereizt, weist uns aber dennoch schnell den richtigen Weg. In der Herberge erfahren wir, dass andere Reisende weit mehr Mühe mit dem Auffinden des Ladens haben. Die Kartenauswahl ist gleich geblieben, die Kartographen leben immer noch vom Sowjeterbe, der Stand dürfte den 80er Jahren entsprechen.
Im Anschluss wird noch der renomierteste Radladen der Stadt aufgesucht und einige Ausrüstungsläden abgeklappert. So gibt es neue Handschuhe und Hosen für Christian und zudem eine Sonnenbrille. Beim Radladen kaufen wir einen Mantel, nachdem nun beide Schwalbemäntel von Christian Löcher in den Seiten haben. Dina scheint irgendwie weniger ausrüstungsverschleissend zu sein.Am Nachmittag bekommen wir dann glatt noch einen alten Schwalbemantel geschenkt, so dass wir nun 4 Ersatzmäntel haben. Fairer Weise können wir den neu gekauften Mantel noch zurück geben, gegen kleinen Discount. Und der Chinareifen bleibt in der Herberge. Kurz nachdem wir den telefonischen Termin bei den Usbeken für Dienstag gemacht haben, kommt auch schon der LOI, so rufen wir kurz vor Ende der Öffnungszeiten der Botschaft an und bekommen noch für Freitag einen Termin. Das bedeutet, dass wir in der Früh schnell zu den Kasachen stressen, diese fragen, ob wir den Pass schon kurz haben können und ihn dann Mittags wiederbringen. Ausgabe sollte nämlich erst am Abend sein. Als wir bei den Kasachen eintreffen hängt dort ein neuer Zettel. Ab Montag sei die Botschaft für unbestimmte Zeit geschlossen. Die Wächter vor der Botschaft meinen jedoch, dass schon heute zu wäre und man ja die Telefonnummer der Botschaft wählen könne. Zum Glück wird dann doch geöffnet und wir bekommen problemlos unsere Pässe ausgehändigt, wir müssen sie noch nicht einmal zurück bringen, das Visum ist schon drinnen. Da haben wir noch einmal Glück gehabt. Heute wurden schon keine Visaanträge mehr angenommen. Die Angestellten meinen, sie wissen nicht wann wieder geöffnet wird, man könne aber in Russland oder Usbekistan weiter das Visum bekommen. Diese Schliessung ist ein harter Schlag für viele Reisenden, welche denken im direkten Nachbarland problemlos das Visum zu bekommen. Wie wir von anderen erfahren, versuchen sie es in der neu eröffneten Botschaft in Osh, doch diese scheint gleichfalls betroffen, so dass einige den Flug nach Dushanbe wählen. Dort bekommt man ein Visa on arrival für Tadschikistan um dann zur Botschaft zu gehen. Es gibt nun ziemlich blöde Geschichten von Leuten, die nur kurz nach Kirgistan wollten und nun umständlich wieder zurück nach Kasachstan kommen.
Mit dem Pass eilen wir zu den Usbeken, dort warten schon Einige, unter anderem fährt auch ein Schweizer Toyo vorbei. Es sind Dino und Fabia aus Zürich, die nun auch auf ihr usbekisches Visum warten. Allen Applikanten wurde beschieden, sie sollen um 10 Uhr vorbeikommen, doch die Liste wird nach Anrufzeit abgearbeitet, d.h. wir sind die letzten. Bis 13 Uhr ist offen, so lange müssen wir zum Glück nicht warten und kommen gegen 12 Uhr dran. Mit dem LOI ist es kein Problem und nach einigen Minuten haben wir das Visum. So hätten wir heute fast drei Visa bekommen. Leider machen die Tadschiken uns da einen Strich durch die Rechnung, da ihr Konsul heute ausserplanmässig frei genommen hat und somit keine Visa ausgestellt werden und auch die Botschaft geschlossen ist. So müssen wir doch noch bis Montag warten. Man versteht, dass Zentralasien für viele Reisende ein unangenehmes Pflaster ist, was die Visa angeht. Andererseits ist es nicht so schlimm, dass wir das Wochenende noch in Bishkek verbringen, in den Vortagen hatten wir gar nicht alles erledigen können, was wir wollten, was vielleicht ein bisschen auch an einer Magenverstimmung lag, die uns beide erwischte. Immer an Ruhetagen erwischt uns irgend eine Krankheit. Am Wochenende werden so noch fleissig Bilder hochgeladen, aus China hatten wir noch gehörigen Rückstand.Ebenfalls lohnenswert war ein Ausflug in den nahen Park beim Nomads Home. Schwimmteiche mit Sowjetflair laden zum Baden ein (wir hatten danach keine Beschwerden ;)).
Am Montag verzögern uns die Tadschiken schon wieder die Abreise, obwohl wir den Antrag am Dienstag eingereicht haben, ist unser Visum noch nicht ausgestellt. Bei anderen Anträgen sehen wir schon einen ausgefüllten Kleber. Erst am Nachmittag wird das Visum dann ausgegeben. Immerhin sparen wir so je 30 Dollar Expressgebühr pro Person. Mit drei Visa ausgestattet und hoffentlich dem vierten in Bearbeitung sollten wir nun gut durch Zentralasien kommen.

Dina schätzt Bishkek zum Radfahren nicht
Minidemo vor der Ukrainischen Botschaft
Camping beim Nomads  Home
Veranda des Nomads  Home