Der Busbahnhof von Diyarbakir liegt allerdings 10 km vom Zentrum weg, so dass wir zunächst zweifeln ob wir auf dem richtigen Weg sind. Am Bahnhof sind wir dann allerdings in 3 Minuten verladen, wir können bei einem Bus nach Izmir mitfahren und sind erstaunt über das gute Bussystem. Der Bus ist superkomfortabel und der Service wie in einem Flugzeug. Leider müssen wir nach einer Stunde schon wieder raus. In Siverek werden wir gleich von einem Einheimischen auf einem Rad angesprochen. Dieser führt uns zu seinem Freund, der als Sicherheitsdienst für den Bürgermeister arbeitet und begeisterter Rennradfahrer ist. Insbesondere scheint er ein Trainer der türkischen Bahnradfahrer zu sein und war erst gerade auf der Europameisterschaft, deren Bilder er uns stolz zeigt. Auch in Siverek hat er gewirkt und ein kleines Strassenradteam mit eigenen Mitteln aufgebaut, d.h. er hat die Räder zusammengebastelt. Nach einem längeren Chai geht es für uns weiter. Der Freund vom Trainer bringt uns noch zu einem guten Dönerstand, so dass wir frisch gestärkt in Richtung Atatürk-Stausee fahren können. Der durchschneidet hier die Landschaft und macht auch die Routenplanung schwieriger, bzw. man muss die wenigen Verbindungen über den See nehmen, für uns heisst das anscheinend, dass wir eine Fähre nehmen müssen. Die Gegend wird zunächst nicht spannender, erst als wir wieder in Richtung Berge fahren, ist mehr los. U.a. heizen die Einheimischen mit ihren Mopeds rum. Nicht immer sind die Kerle so nett, wie zu uns, wie wir später im Internet sehen, da eine andere Reiseradlerin hier in der Nähe der Fähre von den Töfffahrern angemacht und bedroht wird.
Wir kommen gerade rechtzeitig an die Fähre an, die nur noch auf zwei, drei Autos wartet um dann voll überzusetzen. Ihre Tage sind gezählt, grosse Brückenpfeiler stehen schon, so dass es bald durchgehend Strasse geben wird. Der Gegenanstieg ist unser Abendbrot, doch einmal mehr haben wir Probleme einen Schlafplatz zu finden. Wir müssen schon sehr gut improvisieren und finden gerade so einen halbwegs uneinsichtigen Platz, der allerdings nicht ganz eben ist.
Das ständige wieder auf die Isomatte-Gerobbe führt natürlich zu
leichten Schlafdefiziten. Nichtsdestotrotz steht morgen der Nemrut Dagi
an, da geht es höhenmetermässig noch einmal zur Sache. Doch zunächst
müssen wir erst einmal am Bergfuss entlang fahren, bis es eine Talpforte
in Richtung Norden gibt. Die Strasse führt zu ihr in eine
eingeschnittene Schlucht hinunter. Erst dahinter weitet sich das Gelände
auf und am folgenden Abzweig ist auch schon der Nemrut Dagi
angeschrieben. Ein grösseres Dorf liegt am Wegesrand, an der Strasse hat
es einige touristische Einrichtungen. Dementsprechend befahren ist die
Strasse auch, viele einheimische Touristen fahren an uns vorbei zum
Nemrut Dagi. Hinter dem Ort wird die Strasse wieder ziemlich steil, so
dass wir froh sind an Mittag bald ein Gasthaus zu erreichen. Dort
verschafft ein Brunnen Kühlung, die Gegend ist sonst absolut trocken und
karg. Als wir beim Essen sind, kommt noch eine türkische Familie dazu,
die perfekt deutsch spricht, sie hatten früher im Ruhrgebiet gewohnt,
der Grossvater erzählt von seinem ersten Ausflug auf den Nemrut Dagi in
den 50er Jahren. Während wir sitzen haben wir die Zahlstation im Auge,
es ist ein Eintritt pro Kopf fällig, zwar wenig, aber nicht wenig genug.
Manchmal hält ein Auto und die Insassen nehmen zu Fuss eine Abkürzung
an der Zahlstelle vorbei.
Die Strasse wird nicht flacher und so
kämpfen wir uns mit unserem Gepäck langsam nach oben. Von einer Anhöhe
sehen wir zum ersten Mal unser Ziel, einen sehr kahlen Felsberg mit
Gebäuden vor dem finalen Anstieg. Leider geht es zunächst noch einmal
runter, um dann mit noch grösserer Steilheit in den Schlussanstieg zu
münden. In Schlangenlinien kämpfen wir uns nach oben. Zwischendurch
taucht eine neu gebaute Station auf, die aber noch nicht in Betrieb ist,
weiter oben ist der umtriebige Parkplatz. Dort hat es Kioske und
allerlei Leute, auch die Familie vom Mittagessen ist noch da. Unser Plan
war nun eigentlich die Räder über den Berg auf die andere Seite zu
schieben, da es dorthin eine Strasse von der anderen Seite hat. Doch
liegen noch einige Treppen dazwischen, für die Dina Bedenken hat.
Christian rekognosziert daher die Strecke und befindet sie für machbar.
So schieben wir diesen Fussweg herauf, der teils auch von Maultieren
begangen wird, um besonders Gehfaule nach oben zu bringen. Wir bekommen
sogar einheimische Unterstützung, einer der Ausflügler hilft das Rad
schieben. So kommen wir doch einigermassen über die Stufen und können
dann flach zu den Statuen schieben. Auf der anderen Seite des Berges hat
es noch einmal die gleichen Statuen, nur sind sie noch etwas besser
erhalten. Zum Glück führt der Weg auf der anderen Seite nicht über
Treppen hinunter, sondern als Kiesstrasse bis zu einem Restaurant, wo
der Teer anfängt. Hier hat es nur drei abgestellte Autos, die Seite ist
somit viel einsamer. Der Wetterbericht für die nächsten Tage verhiess im
Norden eher Regen, es sollte wohl eine Front durchziehen. Entsprechend
nahm die Bewölkung im Laufe des Tages zu, für die Nacht konnte es jedoch
gut sein, dass das Wetter noch hielt. Wir suchten hier oben nach einem
Platz, doch angesichts der vielen Felsflächen war das kein einfaches
Unterfangen, erst bei einer Parkplatzmässig aufgeschütteten Fläche
entdeckten wir noch eine kleine blickgeschützte Unterplattform, auf der
unser Zelt perfekt zu stehen kam.
Am nächsten Morgen mussten wir
nun erst einmal Höhenmeter vernichten, der Himmel sah schon bedrohlicher
aus und leichtes Tröpfeln setzte ein. Dem entkamen wir jedoch mit der
Abfahrt. Die Strasse hier war erstaunlich gut ausgebaut und noch recht
neu, sonst hätte man sich hier in der Zeit zurückgesetzt gefühlt, so
einfach sahen die Häuser hier teilweise aus. Leider sollte unsere teils
sehr steile Abfahrt nicht ewig weitergehen, und die nächsten
Gegensteigungen standen schon an. Doch zunächst folgen wir erst einmal
einem leicht steigenden Tal. Der Wind frischt leider auf. Nach einigen
Auf- und Ab erreichen wir ein grösseres Dorf in dessen Supermarkt wir
uns gut verpflegen können, dann folgt die nächste lange Abfahrt, vorbei
an einem Camping müssen wir tief hinunter zu einem breiten Schotterbett.
Die drohende Gegensteigung mit über 1000 m wartet auf der anderen
Talseite. Da wir nun auf eine andere Strasse einmünden ist hier mehr
los. Stetig pedalieren wir uns höher , auf halbem Weg kommt uns ein
Radfahrer entgegen. Ein Türke aus Ankara mit seinem einfachen Faltrad,
der sich gestern von Malatya auf diesen Pass gekämpft hat. Mit 5 Gängen
war das eher mühsam, er meinte er hätte viel geschoben. Er will auch zum
Nemrud Dagi und dann weiter bis Mekka (also eine Hadsch). Wir enthalten
ihm unsere Skepsis nicht vor, da der Anstieg zum Nemrud wohl steiler
ist als jener auf den Pass, zudem hoffen wir, dass Allah seine
schützende Hand über ihn bei den Abfahrten hält. Felgenbremsen und
kleine Laufräder sind bei den Abfahrten eine ungünstige Kombination.
Kurz vor der Passhöhe ist die alte Strasse gesperrt und wir werden auf
die breite neue Strasse geleitet, nun fängt es auch endlich an zu
regnen. Obwohl hier oben keine Orte mehr sind, taucht ein Reiterjunge
auf und trabt voraus. Das Besondere daran ist, dass er keinen Sattel und
nur einen Strick als Saumzeug verwendet. Nach einem Gruss kehrt er
wieder um. Kurz vor dem Pass bricht dann der Sturm los, extrem starke
Windböen zwingen uns immer wieder zu kurzen Pausen. Die Abfahrt wird
dementsprechend unberechenbar und muss ganz vorsichtig angegangen
werden, bei den wechselnden Windverhältnissen von der Seite kann man
leicht umgeblasen werden. Die Abfahrt wird so zur Nervensache. Wir sind
froh, als wir endlich unten sind und in Richtung Autobahn fahren können.
Diese wird gerade ausgebaut, so haben wir leider nicht überall einen
Randstreifen. Erst kurz vor Malatya bricht der echte Regen los, das
vorher war nur Vorgeplänkel. Im Gassenwirrwarr ist es erst einmal
schwierig ein Hotel zu finden, das auch noch im Preisrahmen sein soll.
Nach ein paar Irrgängen finden wir ein einfaches familiäres Hotel.
Der
Abend wird noch für einen ausgiebigen Spaziergang genutzt. Nach dem
Essen treffen wir auf der Strasse noch einen Einheimischen, der uns zum
Tee einladen will und uns endlos zutextet. Seine Sicht der Welt ist
etwas verworren, so ist es schwierig mit ihm zu diskutieren.
Freitag, 18. Oktober 2013
Dienstag, 15. Oktober 2013
Durch das Kurdengebiet - vom Vansee nach Diyarbakir
Nach frischer Nacht geht es an die Abfahrt, auf der neuen Piste kommen wir gut voran. Kurz nach dem Pass gibt es zudem noch einmal einen sichtmässigen Höhepunkt, der Ararat zeigt sich in seiner Pracht. Nach einem Hochtal folgt noch eine kurze Gegensteigung, bis wir auf Asphalt bis in die nächste grosse Stadt, Agri. Auf dem Weg passieren wir Kasernengelände und auch ein paar scherbewaffnete Militärwagen patrolieren hier. Wir sind im Kurdengebiet, welches zwar deutlich sicherer als vor Jahren ist, doch ist die Militärpräsenz hier für uns schon ein bisschen erschreckend und man versteht, dass die Kurden sich nicht wohl fühlen. In der Stadt gibt es wieder prima Einkaufsmöglichkeiten, erst als wir schon fertig mit Einkauf sind und wieder herausfahren wollen, fällt uns ein Migros auf. Der muss natürlich inspiziert werden und Christian findet gleich noch ein paar Snickers. Auch wenn der aktuelle türkische Migros nicht mehr mit der Schweizer Migros zusammenhängt, sieht er doch recht ähnlich aus, es gibt hier auch eine Einteilung in 3 M oder gar 5 M-Läden.
Unser nächstes übergeordnetes Ziel ist der südlich gelegene Van-See, zu dem es wieder verschiedene Routen gibt. Wir planen von Hamur eine kleine Nebenstrasse zu nehmen. Doch als wir im Ort nach dieser Strasse fragen, wird uns immer der Weg auf die normale Hauptstrasse gewiesen. Da Christian aber die Nebenstrasse fahren will, verlassen wir diese entgegen der Empfehlung der Einheimischen, die sich nun vehementer gegen unsere eingeschlagene Richtung aussprechen. So kommen wir nicht richtig weiter und kurze Zeit später stoppt uns auch schon eine eilig herbeigerufene Polizei, welche uns erst einmal zur Polizeistation eskortiert. Dort werden die Pässe kontrolliert und unser Begehren erfragt, zudem gibt es noch einen Chai. Auch die Polizisten wollen keinesfalls, dass wir den Nebenweg nehmen, so dass uns sogar eine Polizeieskorte mitgegeben wird, welche uns auf der Hauptstrasse begleitet und überwacht, dass wir nicht auf dumme Gedanken kommen. Eine blöde Aufgabe für die Polizisten, welche entweder in langsamem Tempo auf der Hauptstrasse vor uns hertuckern oder ein paar hundert Meter vorfahren und dann auf uns warten, fast so wie die Privatpolizei in Georgien. Nach einigen Kilometern entlassen sie uns aber wieder in die Freiheit und wir fahren in später Nachmittagsstimmung Richtung Tutak weiter. Die Strecke ist hier sehr schön, es geht ein enges Flusstal mit steilen Hängen, manchmal ein bisschen Wald und bei toller Sonnenstimmung entlang. Nach der Erfahrung mit der Polizei, beschliessen wir die Nacht in einem Hotel zu verbringen, leider hat es in Tutak nur ein Hotel, das wir nach einiger Suche ausfindig machen und ganz billig ist es nicht. Ein relativ moderner Bau, der wohl hauptsächlich vom Hotelpersonal bewohnt ist. Nachdem mit Verhandeln leider nicht viel auszurichten ist, müssen wir in den sauren Apfel beissen. Es ist schon dunkel als wir uns auf den Weg zu einem Restaurant machen, die meisten haben schon zu, so dass wir uns mit einem einfachen Abendessen begnügen. Der Junge der uns bedient macht uns noch darauf aufmerksam, dass wir hier nicht in der Türkei, sondern in Kurdistan sind. Diesen Hinweis hören wir die folgenden Tage immer wieder, man merkt, dass das den Einwohnern hier wichtig ist. Wohl nur die starke Militär- und Polizeipräsenz sorgt dafür, dass die Türkei hier weiter besteht.
Am folgenden Morgen geht es unspektakulär nach Patnos, wo wir noch ein wenig einkaufen. Spektakulärer sind da schon die Kohlhaufen am Wegesrand. Hier scheint eine Art Riesenkohl zu wachsen, der Kürbisgrösse erreicht. Diese werden zu Hauf am Strassenrand angeboten. Wenig später kommt dann auch schon der Suphan in Sicht, ein grosser weisser Vulkan, der den Van-See bewacht und auf den Christian's Bruder mit Michi (vgl. Yunnan und Tee) vor vielen Jahren mal eine Skitour machte. Wir müssen ihn östlich umfahren um zum See zu kommen. Dort ist dann an der Uferstrasse deutlich stärkerer Verkehr. Zudem ist es auf der frisch gemachten Strasse mühsam zu fahren. In dieser Gegend hat es zwar viele kürzlich fertiggestellte Strassen, doch sind diese meist noch mit einer sehr groben Kies, bzw. Steinschicht als eine Art Rollsplit bedeckt. Dieser Split lässt einen nur sehr schlecht rollen. Entsprechend wundern wir uns erst einmal gar nicht so sehr, dass Dina Mühe hat mit vorwärts kommen. Doch liegt das nicht nur am Split, sie hat auch einen schleichenden Platten, so dass wir bald einmal flicken müssen.
Zunächst führt die Strasse in einiger Entfernung vom See entlang, erst gegen Abend kommen wir an diesen und suchen einen Platz. Leider hat es keine offensichtlich guten Plätze und so stoppen wir bei einem Restaurant, an dem ein Campingzeichen angeschlagen ist. Ein echter Campingplatz scheint hier nicht zu sein, der Besitzer zeigt zwar den Vorgarten in Richtung See, doch es hat weder Dusche noch Toilette. Dennoch will er immer noch über 10 Euro für den Platz. Nachdem wir nicht sicher sind einen besseren Platz zu finden, willigen wir ein und baden noch in der Dämmerung im Van-See. So kann man sich dennoch waschen. Der See ist allerdings speziell, das Wasser ein bisschen seifig. Der Besitzer klärt uns auf, der See hat einen erhöhten Salz- und Alkaligehalt, daher wäre er auch gut zum Kleidung waschen, was wir gleich noch machen.
Als wir am nächsten Morgen nach Adilcevaz reinfahren sind wir noch so früh dran, dass wir auf die Ladenöffnungen warten müssen. Die folgende Strecke ist mit die Schönste am Van-See entlang, die Strasse führt erhöht über der Steilküste entlang. Aber auch hier ist sie noch in Bau, grosse Erdbewegungen sind nötig für die Verbreiterung. In Ahlat ist wieder Sightseeing angesagt, dort hat es einige Gräber und Monumente (u.a. Moscheen), welche man besichtigen kann. Am Westufer nehmen wir dann eine Nebenstrasse in Richtung Nemrut Dagi. Es gibt in der Türkei mindestens zwei Nemrut Dagis, zum einen der bekannte Berg, auf dem ein hellenistischer König Statuen anfertigen liess, zum anderen eine grosse eingestürzte Kaldere am Van-See. Letztere wollen wir besichtigen. Im Krater haben sich einige Seen gebildet, zudem ist der Vulkan verantwortlich für die Bildung des Van-Sees, da sein Lavafluss die Flüsse zurückgestaut hat. Die Teerstrasse führt zunächst leicht steigend zu einem Dorf. Hier treffen wir hauptsächlich auf Kinder, die mal Geld wollen (money, money), mal mit Steine schmeissen drohen. Hinter dem Dorf treffen wir einen Jungen auf dem Weg zur Feldarbeit. Gerne bietet ihm Dina einen kleinen Riegel an. Als wir wenig später auf seine Kollegen treffen, welche von uns ziemlich direkt etwas zu Essen fordern, gibt es nichts. Die Strasse steigt nun steiler an und ist nicht mehr geteert. Weiter oben treffen wir wieder auf den Hirten, der uns auf dem Esel sitzend am Ortsausgang überholt hatte. Er lädt uns ein noch schnell einen Tee zu trinken. Auf einem Holzfeuer ist schnell einer zubereitet und man philosophiert mal wieder über Kurdistan und die Abneigung zur Türkei. Bald haben wir den höchsten Punkt der Strasse am Kalderarand erreicht und fahren hinunter. An einer Spitzkehre gehen ein paar Spuren weg, u.a. Fahrzeugspuren, denen wir folgen, da unser GPS hier einen direkten Track zeigt. Die Jeepspuren hören bald auf, doch geht der Pfad weiter. Der Krater ist wirklich lohnend, hier wächst viel mehr als am See unten und die steilen Schuttreissen sind intensiv gefärbt, so wie auch das Gestein in den Steilwänden. Noch kommen wir auf dem Pfad gut voran, doch liegt der See, zu dem wir wollen, noch deutlich tiefer. Wie befürchtet, wandelt sich der gut fahrbare Pfad nun in einen Fusspfad, der auch einige Stufen überwindet, bei denen wir die Räder tragen müssen. Die Felsen am Weg machen die Sache nicht einfacher, da ständig ein Pedal oder eine Tasche anhängt. Dina ist schon am mosern über den schlechten Weg, zum Glück ist nach einer weiteren längeren Tragestrecke endlich Schluss und wir sind wieder im einfacheren Gelände, das uns bald zur Fahrstrasse zum See führt. Im Krater hat es mehrere Seen, an einem von ihnen wollen wir die Nacht verbringen. Da aber schon ein paar Fischer den besten Platz beschlagnahmt haben, verkrümeln wir uns etwas weiter hinten im Wald.
Als wir am nächsten Morgen nach Adilcevaz reinfahren sind wir noch so früh dran, dass wir auf die Ladenöffnungen warten müssen. Die folgende Strecke ist mit die Schönste am Van-See entlang, die Strasse führt erhöht über der Steilküste entlang. Aber auch hier ist sie noch in Bau, grosse Erdbewegungen sind nötig für die Verbreiterung. In Ahlat ist wieder Sightseeing angesagt, dort hat es einige Gräber und Monumente (u.a. Moscheen), welche man besichtigen kann. Am Westufer nehmen wir dann eine Nebenstrasse in Richtung Nemrut Dagi. Es gibt in der Türkei mindestens zwei Nemrut Dagis, zum einen der bekannte Berg, auf dem ein hellenistischer König Statuen anfertigen liess, zum anderen eine grosse eingestürzte Kaldere am Van-See. Letztere wollen wir besichtigen. Im Krater haben sich einige Seen gebildet, zudem ist der Vulkan verantwortlich für die Bildung des Van-Sees, da sein Lavafluss die Flüsse zurückgestaut hat. Die Teerstrasse führt zunächst leicht steigend zu einem Dorf. Hier treffen wir hauptsächlich auf Kinder, die mal Geld wollen (money, money), mal mit Steine schmeissen drohen. Hinter dem Dorf treffen wir einen Jungen auf dem Weg zur Feldarbeit. Gerne bietet ihm Dina einen kleinen Riegel an. Als wir wenig später auf seine Kollegen treffen, welche von uns ziemlich direkt etwas zu Essen fordern, gibt es nichts. Die Strasse steigt nun steiler an und ist nicht mehr geteert. Weiter oben treffen wir wieder auf den Hirten, der uns auf dem Esel sitzend am Ortsausgang überholt hatte. Er lädt uns ein noch schnell einen Tee zu trinken. Auf einem Holzfeuer ist schnell einer zubereitet und man philosophiert mal wieder über Kurdistan und die Abneigung zur Türkei. Bald haben wir den höchsten Punkt der Strasse am Kalderarand erreicht und fahren hinunter. An einer Spitzkehre gehen ein paar Spuren weg, u.a. Fahrzeugspuren, denen wir folgen, da unser GPS hier einen direkten Track zeigt. Die Jeepspuren hören bald auf, doch geht der Pfad weiter. Der Krater ist wirklich lohnend, hier wächst viel mehr als am See unten und die steilen Schuttreissen sind intensiv gefärbt, so wie auch das Gestein in den Steilwänden. Noch kommen wir auf dem Pfad gut voran, doch liegt der See, zu dem wir wollen, noch deutlich tiefer. Wie befürchtet, wandelt sich der gut fahrbare Pfad nun in einen Fusspfad, der auch einige Stufen überwindet, bei denen wir die Räder tragen müssen. Die Felsen am Weg machen die Sache nicht einfacher, da ständig ein Pedal oder eine Tasche anhängt. Dina ist schon am mosern über den schlechten Weg, zum Glück ist nach einer weiteren längeren Tragestrecke endlich Schluss und wir sind wieder im einfacheren Gelände, das uns bald zur Fahrstrasse zum See führt. Im Krater hat es mehrere Seen, an einem von ihnen wollen wir die Nacht verbringen. Da aber schon ein paar Fischer den besten Platz beschlagnahmt haben, verkrümeln wir uns etwas weiter hinten im Wald.
Am nächsten Tag müssen wir doch nach Tatvan, nachdem die kleinen Abkürzungspfade auf die Ferne schon nicht sehr vielversprechend aussehen. Aus dem Boden der Caldera muss zunächst einmal wieder der Kraterrand gewonnen werden, teils geht es ordentlich steil zur Sache. Die Piste wird nun richtig breit, auf der anderen Seite sehen wir warum. Die Strasse wird hier enorm ausgebaut, ein ganzer Baumaschinenpark steht herum, um die dreispurige Strasse zu erstellen. Auf dieser Seite hat es zudem ein Skigebiet, die Abfahrt nach Tatvan ist eine der längsten der Region. Auch wir haben eine endlose Abfahrt vor uns. Schon im unteren Drittel muss Christian ewig auf Dina warten und fährt schliesslich wieder hinauf. Der nächste Platten ist da, aber an anderer Stelle. Wir flicken Dina's Rad schnell und sind dann bald in Tatvan, von wo aus es nun auf autobahnähnlichen Strassen weitergeht. Da wir erst am Ortsende zum Ort gekommen sind, müssen wir uns an einer Tankstelle verpfelgen. Die Abfahrt ist immer noch nicht zu Ende, im Gegensatz zur Abfahrt am Nemrut Dagi, können wir es hier sausen lassen, da nun wieder geteert ist. Die strecke nach Mus ist nun weniger aufregend, zwar geht es immer am Fuss der Berge entlang, doch wird das Land hier intensiv agrarisch genutzt. Dementsprechende Kollateralschäden begleiten uns wieder entlang der Strasse, ab und an liegen die verwesenden Kadaver von angefahrenen Kühen oder Pferden am Strassenrand. Es ist wirklich krass, welches Ausmass das hier annimmt, in keinem anderen Land haben wir so etwas gesehen.
Obwohl wir eigentlich hinter Mus (sprich Musch) zelten wollen, entscheiden wir uns nach vergeblicher Hotelsuche im Ort, alle sehr teuer, für ein Hotel, welches wir am Ortsausgang finden. Bei der intensiven Nutzung wäre es wohl schwierig mit dem Schlafplatz geworden.
Unser nächstes Ziel ist Diyarbakir, welches hinter dem Gebirgszug liegt und das wir einfacher auf der Hauptstrasse von Tatvan her erreicht hätten. Doch sieht eine Nebenstrasse auf der Karte noch spannend aus. Diese nehmen wir nun von Mus und haben eine gute Wahl getroffen, die Landschaft im Anstieg wandelt sich ziemlich, der Fluss aus der Ebene fliesst in einem engen Tal ab, nur die Eisenbahnlinie folgt ihm noch. Leider war unklar, ob man dieser hätte auch folgen können, sonst wäre sie eine interessante Alternative gewesen. Am Gebirgszug treffen wir endlich wieder ein bisschen natürlichen Wald an, hier sind sonst nur Hirten unterwegs. Nach Überwindung der Passhöhe liegt wieder eine ordentliche Abfahrt vor uns, die zunächst durch freieres Gelände führt und schliesslich in ein enges Tal mündet. An diesem liegen einige Wasserkraftwerke, die gerade mangels Wasser nicht so viel produzieren. Am Ausgang des engen Tales liegt die Stadt Kulp. Bevor man hineinkommt passiert man, wie bei so vielen Orten hier, erst einmal grosse Kasernengelände. Nach Einkauf und Internet fahren wir weiter, nachdem es zum Ort Kulp rauf ging, müssen wir zum nächsten Fluss runter. Dieser hat sich auch spektakulär eingeschnitten, so dass einige Felswände seinen Lauf säumen.
Hier hätte es ein paar nette Schlafplätze, doch wollen wir noch ein Stück weiter, Fehlentscheidung. In der Folge ist das Land wieder sehr durchsiedelt und kein ungestörter Schlafplatz ist zu sehen, überall wäre man einsichtig. Nach dem Passieren einer Kaserne vermuten wir wenig weiter ein geschütztes Plätzchen. Nachdem wir die Räder über einen Seitenwall gewuchtet haben, finden wir in der Tat ein sichtgeschütztes Plätzchen, wo wir unser Zelt aufstellen. Es ist mittlerweile dunkel geworden. Als wir gerade am Kochen sind, kommt blöderweise noch ein Einheimischer Hirte vorbei, der auf dem Heimweg ist. Er lässt nun nicht mehr locker und bleibt vor unserem Zelteingang. Die Verständigung ist sehr mühsam, doch mit der Zeit entwickelt er eine eindrucksvolle Zeichensprache. Erst nach und nach verstehen wir, was er will, bzw. was er sagen will. Er ist der Ansicht, dass wir hier nicht zelten können, weil es viel zu gefährlich wäre. Die Soldaten in der Nähe würden uns entdecken und dann kommen die Bomben. Da wir erst einmal fertig kochen und keine Anstalten machen zu gehen, holt er von der Strasse Verstärkung, welche nur ein bisschen besser Englisch spricht. Nachdem wir hier nun sowieso schon entdeckt wurden, beschliessen wir nach dem Essen aufzubrechen. Der Hirte will uns zu sich mitnehmen. Als wir wieder auf der Strasse sind, kommt noch ein nobler Jeep dahergefahren. Dieser stellt sich als reich gewordener Dorfbewohner heraus, welcher uns einladen will. Zwischen unserem Hirten und den Verwandten des Jeep-Fahrers entsteht nun ein Wortgefecht, wer uns aufnehmen darf. Letztlich folgen wir den anderen Leuten ins Dorf und danken dem Hirt, der anscheinend vom Rest als leicht Verwirrt beschrieben wird. Als wir im Dorf sind, nimmt uns dann doch jemand ganz anderes auf. Wir dürfen im Haus übernachten und bekommen selbstverständlich noch einmal ein Abendessen vorgesetzt. Der Bauer, der uns aufnimmt hat eine nette Familie und wir versuchen unser Bestes um miteinander zu kommunizieren. Dabei stellen wir fest, dass das Kurdische uns zum Teil bekannt vorkommt, im Wakhan hatten wir schon ähnliche Worte gehört. In der Tat ist das Kurdische auch Teil der persischen Sprachfamilie.
Am nächsten Morgen geht es schon sehr früh los, da wir nun wieder eher in einer warmen Gegend unterwegs sind und zudem noch heute nach Diyarbakir gelangen wollen.
Die Strecke ist nun weniger spannend, die Berge entlang geht es noch, doch ab dem Zeitpunkt, ab dem man nach Süden sticht, wird die Landschaft monoton, nur abgeerntete Felder in flach gewellter Landschaft. So zieht sich die Strecke nach Diyarbakir doch noch und wir sind froh, als wir endlich in der Nähe der Stadt sind. Vor einigen Jahren war Diyarbakir noch hauptsächlich für Bombenanschläge und Unruhen bekannt. Doch ist die Stadt mittlerweile relativ ruhig, was sicher auch an der enormen Polizeipräsenz liegt. Die Altstadt liegt eindrucksvoll über dem Tigris, von der Stadtmauer sind noch viele Teile erhalten. An Hotels mangelt es nicht, so ist schnell eine gute Unterkunft gefunden. Wir flanieren am Abend nur noch kurz durch die Gassen, eine eingehendere Besichtigung behalten wir uns für den Morgen vor. Dann ist auch weniger los und wir verlieren uns in den verwinkelten Gassen. Obwohl ganz neu, ist auch die armenische Kirche beeindruckend. Sie wurde durch Spendengelder wieder aufgebaut, nachdem nur noch ein Gerippe übrig war. Auch die Moscheen sind natürlich gewaltig. Eines unserer letzten grossen Ziele ist nun der Nemrut Dagi, also der zweite bekannte Nemrut. Doch um nicht wieder in der langweiligen landwirtschaftlichen Ebene zu fahren, nehmen wir bis Siverek einen Bus.
Unser nächstes übergeordnetes Ziel ist der südlich gelegene Van-See, zu dem es wieder verschiedene Routen gibt. Wir planen von Hamur eine kleine Nebenstrasse zu nehmen. Doch als wir im Ort nach dieser Strasse fragen, wird uns immer der Weg auf die normale Hauptstrasse gewiesen. Da Christian aber die Nebenstrasse fahren will, verlassen wir diese entgegen der Empfehlung der Einheimischen, die sich nun vehementer gegen unsere eingeschlagene Richtung aussprechen. So kommen wir nicht richtig weiter und kurze Zeit später stoppt uns auch schon eine eilig herbeigerufene Polizei, welche uns erst einmal zur Polizeistation eskortiert. Dort werden die Pässe kontrolliert und unser Begehren erfragt, zudem gibt es noch einen Chai. Auch die Polizisten wollen keinesfalls, dass wir den Nebenweg nehmen, so dass uns sogar eine Polizeieskorte mitgegeben wird, welche uns auf der Hauptstrasse begleitet und überwacht, dass wir nicht auf dumme Gedanken kommen. Eine blöde Aufgabe für die Polizisten, welche entweder in langsamem Tempo auf der Hauptstrasse vor uns hertuckern oder ein paar hundert Meter vorfahren und dann auf uns warten, fast so wie die Privatpolizei in Georgien. Nach einigen Kilometern entlassen sie uns aber wieder in die Freiheit und wir fahren in später Nachmittagsstimmung Richtung Tutak weiter. Die Strecke ist hier sehr schön, es geht ein enges Flusstal mit steilen Hängen, manchmal ein bisschen Wald und bei toller Sonnenstimmung entlang. Nach der Erfahrung mit der Polizei, beschliessen wir die Nacht in einem Hotel zu verbringen, leider hat es in Tutak nur ein Hotel, das wir nach einiger Suche ausfindig machen und ganz billig ist es nicht. Ein relativ moderner Bau, der wohl hauptsächlich vom Hotelpersonal bewohnt ist. Nachdem mit Verhandeln leider nicht viel auszurichten ist, müssen wir in den sauren Apfel beissen. Es ist schon dunkel als wir uns auf den Weg zu einem Restaurant machen, die meisten haben schon zu, so dass wir uns mit einem einfachen Abendessen begnügen. Der Junge der uns bedient macht uns noch darauf aufmerksam, dass wir hier nicht in der Türkei, sondern in Kurdistan sind. Diesen Hinweis hören wir die folgenden Tage immer wieder, man merkt, dass das den Einwohnern hier wichtig ist. Wohl nur die starke Militär- und Polizeipräsenz sorgt dafür, dass die Türkei hier weiter besteht.
Am folgenden Morgen geht es unspektakulär nach Patnos, wo wir noch ein wenig einkaufen. Spektakulärer sind da schon die Kohlhaufen am Wegesrand. Hier scheint eine Art Riesenkohl zu wachsen, der Kürbisgrösse erreicht. Diese werden zu Hauf am Strassenrand angeboten. Wenig später kommt dann auch schon der Suphan in Sicht, ein grosser weisser Vulkan, der den Van-See bewacht und auf den Christian's Bruder mit Michi (vgl. Yunnan und Tee) vor vielen Jahren mal eine Skitour machte. Wir müssen ihn östlich umfahren um zum See zu kommen. Dort ist dann an der Uferstrasse deutlich stärkerer Verkehr. Zudem ist es auf der frisch gemachten Strasse mühsam zu fahren. In dieser Gegend hat es zwar viele kürzlich fertiggestellte Strassen, doch sind diese meist noch mit einer sehr groben Kies, bzw. Steinschicht als eine Art Rollsplit bedeckt. Dieser Split lässt einen nur sehr schlecht rollen. Entsprechend wundern wir uns erst einmal gar nicht so sehr, dass Dina Mühe hat mit vorwärts kommen. Doch liegt das nicht nur am Split, sie hat auch einen schleichenden Platten, so dass wir bald einmal flicken müssen.
Zunächst führt die Strasse in einiger Entfernung vom See entlang, erst gegen Abend kommen wir an diesen und suchen einen Platz. Leider hat es keine offensichtlich guten Plätze und so stoppen wir bei einem Restaurant, an dem ein Campingzeichen angeschlagen ist. Ein echter Campingplatz scheint hier nicht zu sein, der Besitzer zeigt zwar den Vorgarten in Richtung See, doch es hat weder Dusche noch Toilette. Dennoch will er immer noch über 10 Euro für den Platz. Nachdem wir nicht sicher sind einen besseren Platz zu finden, willigen wir ein und baden noch in der Dämmerung im Van-See. So kann man sich dennoch waschen. Der See ist allerdings speziell, das Wasser ein bisschen seifig. Der Besitzer klärt uns auf, der See hat einen erhöhten Salz- und Alkaligehalt, daher wäre er auch gut zum Kleidung waschen, was wir gleich noch machen.
Als wir am nächsten Morgen nach Adilcevaz reinfahren sind wir noch so früh dran, dass wir auf die Ladenöffnungen warten müssen. Die folgende Strecke ist mit die Schönste am Van-See entlang, die Strasse führt erhöht über der Steilküste entlang. Aber auch hier ist sie noch in Bau, grosse Erdbewegungen sind nötig für die Verbreiterung. In Ahlat ist wieder Sightseeing angesagt, dort hat es einige Gräber und Monumente (u.a. Moscheen), welche man besichtigen kann. Am Westufer nehmen wir dann eine Nebenstrasse in Richtung Nemrut Dagi. Es gibt in der Türkei mindestens zwei Nemrut Dagis, zum einen der bekannte Berg, auf dem ein hellenistischer König Statuen anfertigen liess, zum anderen eine grosse eingestürzte Kaldere am Van-See. Letztere wollen wir besichtigen. Im Krater haben sich einige Seen gebildet, zudem ist der Vulkan verantwortlich für die Bildung des Van-Sees, da sein Lavafluss die Flüsse zurückgestaut hat. Die Teerstrasse führt zunächst leicht steigend zu einem Dorf. Hier treffen wir hauptsächlich auf Kinder, die mal Geld wollen (money, money), mal mit Steine schmeissen drohen. Hinter dem Dorf treffen wir einen Jungen auf dem Weg zur Feldarbeit. Gerne bietet ihm Dina einen kleinen Riegel an. Als wir wenig später auf seine Kollegen treffen, welche von uns ziemlich direkt etwas zu Essen fordern, gibt es nichts. Die Strasse steigt nun steiler an und ist nicht mehr geteert. Weiter oben treffen wir wieder auf den Hirten, der uns auf dem Esel sitzend am Ortsausgang überholt hatte. Er lädt uns ein noch schnell einen Tee zu trinken. Auf einem Holzfeuer ist schnell einer zubereitet und man philosophiert mal wieder über Kurdistan und die Abneigung zur Türkei. Bald haben wir den höchsten Punkt der Strasse am Kalderarand erreicht und fahren hinunter. An einer Spitzkehre gehen ein paar Spuren weg, u.a. Fahrzeugspuren, denen wir folgen, da unser GPS hier einen direkten Track zeigt. Die Jeepspuren hören bald auf, doch geht der Pfad weiter. Der Krater ist wirklich lohnend, hier wächst viel mehr als am See unten und die steilen Schuttreissen sind intensiv gefärbt, so wie auch das Gestein in den Steilwänden. Noch kommen wir auf dem Pfad gut voran, doch liegt der See, zu dem wir wollen, noch deutlich tiefer. Wie befürchtet, wandelt sich der gut fahrbare Pfad nun in einen Fusspfad, der auch einige Stufen überwindet, bei denen wir die Räder tragen müssen. Die Felsen am Weg machen die Sache nicht einfacher, da ständig ein Pedal oder eine Tasche anhängt. Dina ist schon am mosern über den schlechten Weg, zum Glück ist nach einer weiteren längeren Tragestrecke endlich Schluss und wir sind wieder im einfacheren Gelände, das uns bald zur Fahrstrasse zum See führt. Im Krater hat es mehrere Seen, an einem von ihnen wollen wir die Nacht verbringen. Da aber schon ein paar Fischer den besten Platz beschlagnahmt haben, verkrümeln wir uns etwas weiter hinten im Wald.
Als wir am nächsten Morgen nach Adilcevaz reinfahren sind wir noch so früh dran, dass wir auf die Ladenöffnungen warten müssen. Die folgende Strecke ist mit die Schönste am Van-See entlang, die Strasse führt erhöht über der Steilküste entlang. Aber auch hier ist sie noch in Bau, grosse Erdbewegungen sind nötig für die Verbreiterung. In Ahlat ist wieder Sightseeing angesagt, dort hat es einige Gräber und Monumente (u.a. Moscheen), welche man besichtigen kann. Am Westufer nehmen wir dann eine Nebenstrasse in Richtung Nemrut Dagi. Es gibt in der Türkei mindestens zwei Nemrut Dagis, zum einen der bekannte Berg, auf dem ein hellenistischer König Statuen anfertigen liess, zum anderen eine grosse eingestürzte Kaldere am Van-See. Letztere wollen wir besichtigen. Im Krater haben sich einige Seen gebildet, zudem ist der Vulkan verantwortlich für die Bildung des Van-Sees, da sein Lavafluss die Flüsse zurückgestaut hat. Die Teerstrasse führt zunächst leicht steigend zu einem Dorf. Hier treffen wir hauptsächlich auf Kinder, die mal Geld wollen (money, money), mal mit Steine schmeissen drohen. Hinter dem Dorf treffen wir einen Jungen auf dem Weg zur Feldarbeit. Gerne bietet ihm Dina einen kleinen Riegel an. Als wir wenig später auf seine Kollegen treffen, welche von uns ziemlich direkt etwas zu Essen fordern, gibt es nichts. Die Strasse steigt nun steiler an und ist nicht mehr geteert. Weiter oben treffen wir wieder auf den Hirten, der uns auf dem Esel sitzend am Ortsausgang überholt hatte. Er lädt uns ein noch schnell einen Tee zu trinken. Auf einem Holzfeuer ist schnell einer zubereitet und man philosophiert mal wieder über Kurdistan und die Abneigung zur Türkei. Bald haben wir den höchsten Punkt der Strasse am Kalderarand erreicht und fahren hinunter. An einer Spitzkehre gehen ein paar Spuren weg, u.a. Fahrzeugspuren, denen wir folgen, da unser GPS hier einen direkten Track zeigt. Die Jeepspuren hören bald auf, doch geht der Pfad weiter. Der Krater ist wirklich lohnend, hier wächst viel mehr als am See unten und die steilen Schuttreissen sind intensiv gefärbt, so wie auch das Gestein in den Steilwänden. Noch kommen wir auf dem Pfad gut voran, doch liegt der See, zu dem wir wollen, noch deutlich tiefer. Wie befürchtet, wandelt sich der gut fahrbare Pfad nun in einen Fusspfad, der auch einige Stufen überwindet, bei denen wir die Räder tragen müssen. Die Felsen am Weg machen die Sache nicht einfacher, da ständig ein Pedal oder eine Tasche anhängt. Dina ist schon am mosern über den schlechten Weg, zum Glück ist nach einer weiteren längeren Tragestrecke endlich Schluss und wir sind wieder im einfacheren Gelände, das uns bald zur Fahrstrasse zum See führt. Im Krater hat es mehrere Seen, an einem von ihnen wollen wir die Nacht verbringen. Da aber schon ein paar Fischer den besten Platz beschlagnahmt haben, verkrümeln wir uns etwas weiter hinten im Wald.
Am nächsten Tag müssen wir doch nach Tatvan, nachdem die kleinen Abkürzungspfade auf die Ferne schon nicht sehr vielversprechend aussehen. Aus dem Boden der Caldera muss zunächst einmal wieder der Kraterrand gewonnen werden, teils geht es ordentlich steil zur Sache. Die Piste wird nun richtig breit, auf der anderen Seite sehen wir warum. Die Strasse wird hier enorm ausgebaut, ein ganzer Baumaschinenpark steht herum, um die dreispurige Strasse zu erstellen. Auf dieser Seite hat es zudem ein Skigebiet, die Abfahrt nach Tatvan ist eine der längsten der Region. Auch wir haben eine endlose Abfahrt vor uns. Schon im unteren Drittel muss Christian ewig auf Dina warten und fährt schliesslich wieder hinauf. Der nächste Platten ist da, aber an anderer Stelle. Wir flicken Dina's Rad schnell und sind dann bald in Tatvan, von wo aus es nun auf autobahnähnlichen Strassen weitergeht. Da wir erst am Ortsende zum Ort gekommen sind, müssen wir uns an einer Tankstelle verpfelgen. Die Abfahrt ist immer noch nicht zu Ende, im Gegensatz zur Abfahrt am Nemrut Dagi, können wir es hier sausen lassen, da nun wieder geteert ist. Die strecke nach Mus ist nun weniger aufregend, zwar geht es immer am Fuss der Berge entlang, doch wird das Land hier intensiv agrarisch genutzt. Dementsprechende Kollateralschäden begleiten uns wieder entlang der Strasse, ab und an liegen die verwesenden Kadaver von angefahrenen Kühen oder Pferden am Strassenrand. Es ist wirklich krass, welches Ausmass das hier annimmt, in keinem anderen Land haben wir so etwas gesehen.
Obwohl wir eigentlich hinter Mus (sprich Musch) zelten wollen, entscheiden wir uns nach vergeblicher Hotelsuche im Ort, alle sehr teuer, für ein Hotel, welches wir am Ortsausgang finden. Bei der intensiven Nutzung wäre es wohl schwierig mit dem Schlafplatz geworden.
Unser nächstes Ziel ist Diyarbakir, welches hinter dem Gebirgszug liegt und das wir einfacher auf der Hauptstrasse von Tatvan her erreicht hätten. Doch sieht eine Nebenstrasse auf der Karte noch spannend aus. Diese nehmen wir nun von Mus und haben eine gute Wahl getroffen, die Landschaft im Anstieg wandelt sich ziemlich, der Fluss aus der Ebene fliesst in einem engen Tal ab, nur die Eisenbahnlinie folgt ihm noch. Leider war unklar, ob man dieser hätte auch folgen können, sonst wäre sie eine interessante Alternative gewesen. Am Gebirgszug treffen wir endlich wieder ein bisschen natürlichen Wald an, hier sind sonst nur Hirten unterwegs. Nach Überwindung der Passhöhe liegt wieder eine ordentliche Abfahrt vor uns, die zunächst durch freieres Gelände führt und schliesslich in ein enges Tal mündet. An diesem liegen einige Wasserkraftwerke, die gerade mangels Wasser nicht so viel produzieren. Am Ausgang des engen Tales liegt die Stadt Kulp. Bevor man hineinkommt passiert man, wie bei so vielen Orten hier, erst einmal grosse Kasernengelände. Nach Einkauf und Internet fahren wir weiter, nachdem es zum Ort Kulp rauf ging, müssen wir zum nächsten Fluss runter. Dieser hat sich auch spektakulär eingeschnitten, so dass einige Felswände seinen Lauf säumen.
Hier hätte es ein paar nette Schlafplätze, doch wollen wir noch ein Stück weiter, Fehlentscheidung. In der Folge ist das Land wieder sehr durchsiedelt und kein ungestörter Schlafplatz ist zu sehen, überall wäre man einsichtig. Nach dem Passieren einer Kaserne vermuten wir wenig weiter ein geschütztes Plätzchen. Nachdem wir die Räder über einen Seitenwall gewuchtet haben, finden wir in der Tat ein sichtgeschütztes Plätzchen, wo wir unser Zelt aufstellen. Es ist mittlerweile dunkel geworden. Als wir gerade am Kochen sind, kommt blöderweise noch ein Einheimischer Hirte vorbei, der auf dem Heimweg ist. Er lässt nun nicht mehr locker und bleibt vor unserem Zelteingang. Die Verständigung ist sehr mühsam, doch mit der Zeit entwickelt er eine eindrucksvolle Zeichensprache. Erst nach und nach verstehen wir, was er will, bzw. was er sagen will. Er ist der Ansicht, dass wir hier nicht zelten können, weil es viel zu gefährlich wäre. Die Soldaten in der Nähe würden uns entdecken und dann kommen die Bomben. Da wir erst einmal fertig kochen und keine Anstalten machen zu gehen, holt er von der Strasse Verstärkung, welche nur ein bisschen besser Englisch spricht. Nachdem wir hier nun sowieso schon entdeckt wurden, beschliessen wir nach dem Essen aufzubrechen. Der Hirte will uns zu sich mitnehmen. Als wir wieder auf der Strasse sind, kommt noch ein nobler Jeep dahergefahren. Dieser stellt sich als reich gewordener Dorfbewohner heraus, welcher uns einladen will. Zwischen unserem Hirten und den Verwandten des Jeep-Fahrers entsteht nun ein Wortgefecht, wer uns aufnehmen darf. Letztlich folgen wir den anderen Leuten ins Dorf und danken dem Hirt, der anscheinend vom Rest als leicht Verwirrt beschrieben wird. Als wir im Dorf sind, nimmt uns dann doch jemand ganz anderes auf. Wir dürfen im Haus übernachten und bekommen selbstverständlich noch einmal ein Abendessen vorgesetzt. Der Bauer, der uns aufnimmt hat eine nette Familie und wir versuchen unser Bestes um miteinander zu kommunizieren. Dabei stellen wir fest, dass das Kurdische uns zum Teil bekannt vorkommt, im Wakhan hatten wir schon ähnliche Worte gehört. In der Tat ist das Kurdische auch Teil der persischen Sprachfamilie.
Am nächsten Morgen geht es schon sehr früh los, da wir nun wieder eher in einer warmen Gegend unterwegs sind und zudem noch heute nach Diyarbakir gelangen wollen.
Die Strecke ist nun weniger spannend, die Berge entlang geht es noch, doch ab dem Zeitpunkt, ab dem man nach Süden sticht, wird die Landschaft monoton, nur abgeerntete Felder in flach gewellter Landschaft. So zieht sich die Strecke nach Diyarbakir doch noch und wir sind froh, als wir endlich in der Nähe der Stadt sind. Vor einigen Jahren war Diyarbakir noch hauptsächlich für Bombenanschläge und Unruhen bekannt. Doch ist die Stadt mittlerweile relativ ruhig, was sicher auch an der enormen Polizeipräsenz liegt. Die Altstadt liegt eindrucksvoll über dem Tigris, von der Stadtmauer sind noch viele Teile erhalten. An Hotels mangelt es nicht, so ist schnell eine gute Unterkunft gefunden. Wir flanieren am Abend nur noch kurz durch die Gassen, eine eingehendere Besichtigung behalten wir uns für den Morgen vor. Dann ist auch weniger los und wir verlieren uns in den verwinkelten Gassen. Obwohl ganz neu, ist auch die armenische Kirche beeindruckend. Sie wurde durch Spendengelder wieder aufgebaut, nachdem nur noch ein Gerippe übrig war. Auch die Moscheen sind natürlich gewaltig. Eines unserer letzten grossen Ziele ist nun der Nemrut Dagi, also der zweite bekannte Nemrut. Doch um nicht wieder in der langweiligen landwirtschaftlichen Ebene zu fahren, nehmen wir bis Siverek einen Bus.
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