Montag, 29. Juli 2013

Murghab - die Hässliche

Am Ortseingang von Murghab, kurz vor dem Abzweig zum Flughafen begrüsst einen das LKW-Terminal. Eigentlich erwarten wir hier regen Betrieb, doch am Sonntag stehen nur einsame zwei LKW herum. Für uns geht es erst einmal Richtung Basar, da dort auch die Restaurants lokalisiert sind. Natürlich werden wir gleich angeredet und in eines der Cafés verbracht, in Murghab merkt man den Einfluss des Tourismus. Gegenüber dem letzten Mal sind noch mehr Homestays dazugekommen, doch wir wollen eigentlich nur schnell Geld wechseln und Vorräte bunkern um am Abend wieder raus zu fahren, wo wir herkamen. Im Café gibt es Kohlsuppe und Pommes, dafür dass die Kohlsuppe nur 3 Somoni kosten soll ist die Endabrechnung gesalzen, 30 Somoni und beim Rausgeben werden auch noch 2 Somoni unterschlagen. Der Sohn des Hauses bekam schnell mit, dass wir Geld wechseln wollen und meint sein Bruder könne so etwas machen. Allerdings wollen wir Yuan wechseln, von denen wir in Erwartung einer erneuten Einreise noch einige im Geldbeutel haben. Nach dem Essen machen wir uns daher erst einmal auf Yuan-Suche. Einige Leute meinen, dass man nur auf der Bank wechseln kann, aber heute ist Sonntag, bei anderen scheint das kein Problem zu sein, nur her mit den Dollars. Dollars wollen wir aber gerne sparen, nachdem wir nun seit vorgestern noch einen Abstecher in den Wakhan im Hinterkopf haben, wo man viel davon brauchen soll. Christian sucht vergeblich den Markt ab, natürlich will auch der Bruder vom Café keine Yuan wechseln, aber es solle Personen geben, die es machen. Als wir in ein spezifisches Gechäft geschickt werden, schickt uns der Ladenbesitzer zu einem anderen Café, doch von dort aus werden wir zurück ins Geschäft geschickt. Nach ewiger Suche findet sich ein Laden in dem Yuan gewechselt wird, doch der Kurs ist grottenschlecht. Laut unserer Kurzrecherche im Internet sind 1000 Yuan ungefähr 779 Somoni, im Laden gibt es aber nur 600 Somoni dafür. Für uns keine Option, da hilft uns ein Homestaybesitzer weiter, er meint wir sollen doch am LKW-Terminal schauen, da gibt es Tajiken, die nach China fahren und Yuan bräuchten, doch als wir mit dem Auto vorbeischauen ist immer noch nicht mehr los. Nachdem wir nochmal im Bazar herumgeschaut hatten und nun wohl jeden Ladenbesitzer gefragt hatten, geben wir es auf. Zwischenzeitlich findet sich noch ein LKW-Fahrer, der aber den gleichen schlechten Kurs anbietet. So schwenken wir auf Euro um und wechseln 100 Euro. Nach ein bisschen Gesuche finden wir sogar jemanden, der die besste Bankrate von Murghab bietet. Yuan hätten wir wohl auch an keiner Bank wechseln können, nur Dollar, Euro und Rubel sind dort angeschrieben. Mit dem Geld kann nun der Grosseinkauf für ein paar Tage beginnen. Gegenüber dem letzten Mal hat sich das Angebot verbessert, es gibt echte Coca Cola und Pepsi, vor drei Jahren haben wir noch nicht mal RC-Cola gefunden. Allerdings sind die Preise hier gesalzen, wie wir im Nachhinein feststellen, zudem ist viel herumzulaufen, da die Läden immer nur ein beschränktes Sortiment haben. Nach zwei Stunden sind wir fertig, haben sogar Haferflocken gefunden, auch wenn Dina beim Preis von 22 Somoni schlucken muss, das sind über 4 CHF für 400 g. Zu guter letzt schauen wir noch bei der Polizei vorbei, wir wollen eine Runde über Schaymak drehen, das liegt ganz unten im Eck, wo auch China und Afghanistan sich treffen. Im Reiseführer steht noch etwas von besonderen Erlaubnissen, daher fragen lieber noch einmal nach. Bei der Polizei wird anhand der Karte diskutiert und es scheint, dass wir keine spezielle Bewilligung brauchen, bis auf vielleicht vom OVIR. Heute Sonntag hat das OVIR wohl aber nicht offen? Doch der Mann von dieser Dienststelle wird angerufen und taucht auf dem Rad auf. Nach kurzem Blick in den Pass sagt er uns, dass wir uns noch registrieren müssen. Von der Registrierung hatten wir schon gehört, da wir aber nicht vor haben länger als 30 Tage im Land zu sein, sollten wir diese eigentlich nicht brauchen. Doch meint der OVIR-Mann, sobald das Visum länger als 30 Tage gültig ist, müssen wir uns registrieren, das ginge aber erst morgen. Vor drei Jahren hatten wir mitbekommen, wie Rückreisende ziemliche Probleme ohne diese Registrierung bekamen und teils 200 Dollar zahlen mussten, so beschliessen wir doch noch eine Nacht zu bleiben und die Registrierung zu machen. Wie gesagt, eigentlich wollten wir möglichst schnell aus dem Ort heraus, der recht reizlos ist und nur gut als Infrastrukturpunkt. Ein Gutes hatte der Aufenthalt bei der Polizei noch, ein Lada hielt vor der Station, wir dachten schon ein Verkehrssünder, der seine Strafe begleichen muss, doch als er wieder abfährt, meint einer der Polizisten, dass das die Naturparkbehörde sei und da wir auch vorhaben in den Naturpark zu gehen um zu wandern, halten wir noch rechtzeitig das Auto auf. Sie sind so nett und bringen noch die Eintrittskarten vorbei, welche eigentlich taggenau ausgestellt werden, pro Tag ist auch eine Gebühr fällig. Wahrscheinlich weiss dass fast kein Tourist hier, falls man erwischt wird könnte aber eine Strafe fällig werden. Wir zahlen für zwei Tage und bekommen einen Blankoeintritt, da wir noch nicht genau wissen, wann wir im Park sind. Einer der Polizisten kommt aus Rushan, am Eingang des Bartangs, wir erzählen von unseren Erlebnissen vor drei Jahren und er meint, dass wohl jetzt gerade ähnliches vorkommen könnte, noch ein weiterer so heisser Tag und es heisst wohl wieder Strasse unter in weiten Teilen des Bartangs.
Nach der Polizeistation fahren wir zum Homestay des Mannes, der uns vorher unentgeltlich mit dem LKW-Terminal geholfen hatte und quartieren uns dort ein. Er hätte sogar eine warme Dusche, doch nachdem die Aufpreis kostet und wir ja schon im Aksu gebadet hatten, verzichten wir darauf. Neben uns ist noch ein Basler Autostopperpärchen einquartiert, welches es gerade den Wakhan heraufgeschafft hatte und nun um Murghab noch zwei drei Tage verbringen wollte, u.a. mit Radfahren. Im Ort kann man anscheinend stabile Räder mieten um kurze Ausflüge zu unternehmen. Nach einer Wassermelone von den Baslern geht es ins Bett.
In aller Herrgottsfrüh macht sich Christian dann zum LKW-Terminal auf, in der Hoffnung noch ein paar Yuan los zu werden. Viel ist nicht los auf den Strassen, zumal es ja zwei Uhrzeiten gibt, die offizielle Tadschikische Zeit und die Murghab-Zeit, welche eine Stunde vorauseilt. Am LKW-Terminal stehen nun schon einige LKW, doch eine Frage in die Runde der LKW-Fahrer bringt keine Resonanz, keine Reaktion. Das ist verwunderlich, doch das Problem ist, es sind Chinesen, die sind mal wieder so herrlich teilnahmslos, weil ihre Sprache nicht gesprochen wird. Mit etwas mehr Nachdruck werden zwei Geldscheine herausgekramt und das Tauschgeschäft veranschaulicht, doch anscheinend will auch darauf keiner eingehen. Nur einer bietet schliesslich eine Kleinstmenge an, zum schlechten Kurs von gestern. Anscheinend brauchen die Chinesen die Somoni noch für den Zoll. Auch ein Gang ins Restaurant bringt zunächst keinen Wechselwilligen, im Hotel sitzen wieder nur Chinesen. Ein nochmaliger Gang ins Restaurant bringt dann das gewünschte Ergebnis, ein LKW-Fahrer aus Dushanbe kommt ins Gespräch und als wir auf das Geldwechseln kommen, will er alle Yuans nehmen, da er nach Kashgar fährt. Verwirrung herrscht zunächst über den Wechselkurs, der ist so gut, dass erst einmal von einem Fehler ausgegangen wird, doch schlussendlich wird fast zum Mittelkurs gewechselt und wir haben nun 2000 Somoni, leider alle in 500er Scheinen. Einer davon wird noch beim Homestay klein gemacht, der nächste für die Registrierung. Nach dem einfachen Frühstück geht es nämlich an die nächste Aufgabe, OVIR-Registrierung. Leider wird hier nach Dushanbezeit gearbeitet, so dass wir wohl erst spät loskommen. Christian hatte nahe dem Markt schon die notwendigen Kopien gemacht, das Visum samt Eintrittstempel mussten noch kopiert werden, doch am OVIR wird erst einmal vergeblich gewartet, auch wenn es schon offen sein soll. Der "Natchalnik" sei noch am schreiben und darf nicht gestört werden. Bevor wir das Geld an der Bank einzahlen, angeblich 140 Somoni pro Person (fast 30 Dollar), wollen wir aber noch einmal nachfragen, vielleicht weiss ja der Vorgesetzte, dass wir doch keine Registrierung brauchen. Doch leider sitzt als dann endlich offen ist, genau der Radfahrer von gestern abend am Schreibtisch, mit 4 Sternen an der Schulter. Die Frage erübrigt sich also. Von der Bank hatten wir schon einmal zwei Zettel mitgenommen, die wir angeblich brauchen, leider müssten wir wohl noch zwei holen. Derweil füllt der OVIR-Mann diese Scheine aus, wie sich herausstellt sind es Überweisungsträger. Netter Weise werden wir bevorzugt behandelt, die anderen Leute, die zum OVIR kommen fertigt die Sekretärin ab, immer gut gelaunt mit einem Lächeln, also ganz der Gegensatz zu unserem OVIR-Mann. Die meisten kommen hier nur wegen Pässen vorbei. Nachdem die Überweisungsträger ausgefüllt sind, geht es zur Bank. Dort muss noch jemand unterschreiben, bis am Schalter eingezahlt werden kann. Ob das schnell geht ist nicht klar, da vorher noch ein Zollbeamter da ist, der mit fetten Bündeln Geld da steht, insgesamt 25000 Somoni wollen ausgezählt werden. Doch zum Glück ist eine Zählmaschine da. Nachdem die Überweisungsbelege im OVIR sind, müssen noch zahlreiche Bücher ausgefüllt werden und eine Registerkarte mit unsere Photo angelegt werden, bis wir dann einen kleinen Zettel als Beleg für die Registrierung in den Händen halten. Insgesamt war das jetzt einige Rennerei und wir kommen natürlich viel später los, als geplant. Dafür haben wir jedoch erfolgreich die Yuan wechseln können.

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